In Karenz und weg vom Radar des Arbeitgebers

13. Mai 2014, 15:37
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Geschlecht und Bildungsgrad entscheidend für Karenzdauer und Rückkehr zum "alten" Arbeitsplatz

Wien - 1095 Frauen und 33 Männer haben sich gemeldet, als die Arbeiterkammer Wien gemeinsam mit dem Institut für höhere Studien im Frühjahr 2013 zur Umfrage bat. Von ihren Mitgliedern in Karenz wollte die AK wissen, wann und ob sie gedenken, in den bisherigen Job wieder einzusteigen und ob sie Unterstützung für den Wiedereinstieg brauchen.

Geschlecht und Bildungsgrad

Vorneweg: Jene Männer, die an der Befragung teilgenommen haben, waren vor allem Akademiker, und sie verbrachten mit drei Monaten deutlich weniger Zeit in Karenz als die befragten Frauen. Jede zweite Frau gab an, zum zweiten Geburtstag des Kindes wieder einsteigen zu wollen.

Wobei: Die Unterbrechungsdauer der Frauen ist stark abhängig von ihrem Bildungsgrad. 40 Prozent der Akademikerinnen gaben an, nach maximal 18 Monaten wieder einsteigen zur wollen. Nur 15 Prozent der Frauen mit einem Abschluss unter Maturaniveau planten dies.

Rückkehr fixiert

Die Karenzzeit der Männer ist nicht nur kürzer, ihnen gelingt es offenbar auch, mit dem Arbeitgeber enger in Kontakt zu stehen. Fast 90 der Männer gaben an, die Rückkehr zum Arbeitsplatz bereits vereinbart zu haben. Hingegen nur etwas mehr als die Hälfte der Frauen konnte das von sich behaupten. Die Männer nahmen während ihrer Karenzzeit zudem öfter an Fortbildungen in ihrer Firma teil. Die Arbeiterkammer verwies in diesem Zusammenhang auf das im Mutterschutzgesetz verankerte Recht auf Information über Weiterbildungsmaßnahmen im Unternehmen während der Karenzzeit, das oft jedoch nicht gewährleistet sei: "Arbeitnehmerinnen in Karenz verschwinden vom Radar der Arbeitgeber", kritisiert AK-Präsident Rudolf Kaske.

Je niedriger der berufliche Status beziehungsweise der Bildungsstand, desto eher streben Frauen einen Berufswechsel an. Neben dem Wunsch nach beruflicher Veränderung werden unvereinbare Arbeitszeiten und zu lange Wegzeiten als Hauptgrund für den angestrebten Wechsel angegeben. Jede dritte befragte Arbeiterin gab an, gar nicht mehr an den alten Arbeitsplatz zurückkehren zu wollen. 64 Prozent der Akademikerinnen hatten hingegen ihr Comeback zum Arbeitsplatz während der Karenz fixiert. 

Unterstützung

Unterstützung beim Wiedereinstieg wünschen sich die Hälfte der befragten Frauen. Sowohl bei der Kinderbetreuung als auch bei der Weiterbildung. Wie die Arbeiterkammer hervorhob, ist die Betreuungssituation gerade bei den unter Dreijährigen in Wien überdurchschnittlich gut. Allerdings: Bevorzugt werden in den städtischen Kindergärten berufstätige Personen (Anm. gegenüber Erwerbslosen), kritisierte Kaske. Er forderte, dass auch arbeitslose Frauen oder solche, die Kurse besuchen, bevorzugt behandelt werden. Außerdem forderte Kaske den Ausbau des Fachkräftestipendiums.

Kaske erteilte außerdem der von Regierung geplanten Ausdehnung des Arbeitstages auf bis zu zwölf Stunden einmal mehr eine Absage: "Wir arbeiten flexibel genug." (burg, derStandard.at, 13.5.2014)

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    foto: dpa/marcus brandt
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