Pay-TV ist US-Mobilfunker AT&T fast 50 Mrd. wert

13. Mai 2014, 13:42
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Mobilfunk-Konzern erwägt Angebot für Pay-TV-Anbieter DirecTV - Offert von rund 48 Mrd. Dollar im Gespräch

Die Verknüpfung von TV und Internet bringt das Fusionskarussell in den USA immer kräftiger in Schwung. Der zweitgrößte Mobilfunk-Anbieter AT&T plant nach Medienberichten für fast 50 Mrd. Dollar (36 Mrd. Euro) die Übernahme des Pay-TV-Senders DirecTV. Die Gespräche seien bereits weit fortgeschritten und könnten in den nächsten Wochen abgeschlossen werden, verlautete aus dem Verhandlungsumfeld.

Druck auf Comcast

Mit der Übername könnte AT&T im Pay-TV den Kabelriesen Comcast unter Druck setzen, der gerade für 45 Mrd. Dollar den Rivalen Time Warner Cable kaufen will. Auch die US-Tochter der Deutschen Telekom spielt in dem Übernahme-Reigen eine zentrale Rolle: Denn auf T-Mobile US haben der Rivale Sprint und der Satelliten-TV-Betreiber Dish ein Auge geworfen.

Neben dem Preiskampf treibt die Fusionswelle an, dass immer mehr Menschen mit Smartphones und Tablets online surfen und auch verstärkt über das Internet fernsehen. Dies zwingt die Branche, sich nach neuen Wachstumsmöglichkeiten umzuschauen. AT&T und Mobilfunk-Marktführer Verizon expandieren deswegen in Breitband- und Video-Bereiche. Der drittgrößte US-Anbieter Sprint würde sich gerne mit der Nummer vier, T-Mobile US, verstärken.

Auch Dish liebäugelt schon seit längerem mit einem Einstieg in den Mobilfunk-Bereich. Den rund 20 Mrd. Dollar schweren Bieterwettstreit um Sprint hatte der Satelliten-TV-Konzern 2013 gegen den japanischen Telekom-Riesen Softbank verloren. Dish plant aber weiter, über ein eigenes Mobilfunknetz Fernsehen und schnelles Internet anzubieten und hat sich dazu mit Funkfrequenzen eingedeckt. Einzig ein landesweites Handy-Netz fehlt. Der Bau wäre sehr teuer und langwierig - zukaufen ginge schneller.

90 bis 95 Dollar je Aktie

Dies denkt sich auch AT&T und geht den umgekehrten Weg. Der Konzern erwägt den Insidern zufolge ein Offert für DirecTV von 90 bis 95 Dollar je Aktie. Bei knapp 95 Dollar würde dies einem Volumen von 48 Mrd. Dollar entsprechen. Zugleich wäre es ein Aufschlag von rund 20 Prozent auf den Kurs von Anfang Mai, als erstmals über das AT&T-Interesse berichtet wurde. Experten zufolge liebäugelt AT&T schon seit mindestens zehn Jahren mit DirecTV. "Ein Zusammenschluss ist sehr sinnvoll. Aber das regulatorische Umfeld stimmte bisher nie", sagte Roger Entner vom Analysehaus ReconAnalytics und verwies auf Bedenken der Wettbewerbshüter. "Aber die Fusionspläne von Comcast und Time Warner Cable verlangen geradezu nach einem Gegengewicht."

Auch in Europa dreht sich das Fusionskarussell wegen des Preiskampfes und Bedarfs an schnellen Internetverbindungen immer schneller. So übernahm der britische Mobilfunk-Riese Vodafone für 11 Mrd. Euro Kabel Deutschland, um auch Festnetz und TV aus einer Hand anzubieten. Auch die beiden Mobilfunker E-Plus und o2 suchen den Schulterschluss, um in der Branche zu bestehen. Und in Frankreich setzte sich kürzlich der Kabelkonzern Numericable im Bieterkampf um den Mobilfunker SFR durch. (Reuters, 13.5 .2014)

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