Private Hilfsprojekte in Gefahr

12. Mai 2014, 19:09
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Koordinationsbüro in Nicaragua vor dem Aus

Was passiert, wenn die Entwicklungshilfe eines Landes wegbricht, zeigt ein Beispiel aus Nicaragua: Zahlreiche österreichische Privatinitiativen, Städte- und Schulpartnerschaft engagieren sich in der Entwicklungszusammenarbeit in Nicaragua. Koordiniert werden diese Partnerschaften und damit die Hilfsprojekte der Privatinitiativen von Chica Österreich.

Bisher erhielt der Verein rund 100.000 Euro jährlich von der Agentur der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit, Austrian Development Agency (ADA). Damit wurde das gesamte Koordinationsbüro in Léon finanziert. Seit 2013 ist Nicaragua nicht mehr Schwerpunktland der österreichischen Entwicklungshilfe. Die Gelder wurden mit Ende des Jahres eingestellt.

"Wir brauchen das Geld, sonst müssen wir zusperren", erklärt der Büroleiter von Chica Österreich in Léon, Elma Zelaya, gegenüber dem Standard. Ein Vorzeigeprojekt der Städte- und Schulpartnerschaften ist das Schulfrühstück, das mittlerweile in fast allen Schulen Nicaraguas umgesetzt wird. 2004 ging rund ein Viertel der Kinder in Nordwest Nicaragua nicht zur Schule. Seit mit österreichischer Unterstützung das Schulfrühstück eingeführt wurde, gehen 98 Prozent der Kinder täglich zur Schule.

Bisher konnten die privaten Spendengelder zu hundert Prozent in die Förderprojekte fließen, ohne dass ein Teil des Geldes für die Verwaltung aufgebracht wird. Das wird sich nun ändern. Die Vertreter der Partnerstädte bemühen sich um eine Weiterfinanzierung. Ein fixer Prozentsatz der Spenden, die Projekte fördern, müsste für die Verwaltung abgezweigt werden, erklärt Paul Pirker von der Städtepartnerschaft Salzburg-Léon. "Auf diese Art werden wir aber nicht mehr als 35.000 Euro im Jahr zusammenbringen." Derzeit kümmern sich vier festangestellte Mitarbeiter um die Projektkoordination in Nicaragua. Bricht die Organisation vor Ort weg, seien auch die einzelnen privat finanzierten Projekte in Gefahr. (ruep, DER STANDARD, 13.5.2014)

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