Rechte Homosexueller in Österreich: Weiter Herumwursteln

Kommentar12. Mai 2014, 18:58
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Das Land hat eine neue Galionsfigur der Toleranz - die Rechtslage für Homosexuelle bleibt indes die alte

Langsam erwacht Österreich aus dem Song-Contest-Taumel. Mit Conchita Wurst hat das Land eine neue Heldin, eine Galionsfigur der Toleranz. Für Tom Neuwirth bleibt indes alles beim Alten: Er darf sich "verpartnern", heiraten darf er aber nicht. Kinder darf er sowieso nicht adoptieren. Dass er Männer liebt, sehen konservative Politiker immer noch als Anschlag auf die ach so heilige Institution Familie. Als hätte es dafür noch einen Beweis gebraucht, verdiente sich die ÖVP-Zentrale am Sonntag zwölf Punkte für die verzwickteste Reaktion auf den Wurst-Triumph. Parteichef Michael Spindelegger wünschte "Tom Neuwirth und seiner Figur Conchita Wurst weiterhin viel Erfolg für seine künstlerische Laufbahn".

Bleibt die Frage: Wessen Weltbild - außer sein eigenes - verteidigt Spindelegger noch mit seiner hartnäckigen Weigerung, homo- und heterosexuelle Paare gleichzustellen? Es spricht Bände, dass der schwarze Vorreiter in dieser Sache ein katholischer Bauernbündler aus Tirol ist. Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter twitterte in der Samstagnacht: "Österreichs Wurst ist die Beste!!!"

2015 wird die Regenbogen-Community nach Österreich pilgern, das gehört zum Song Contest dazu wie Windmaschinen und Paillettenkleider. Wird das Land dann immer noch Conchita feiern - und Tom fundamentale Rechte verweigern? Es liegt an einigen wenigen ÖVPlern, das Herumwursteln endlich zu beenden. (Andrea Heigl, DER STANDARD, 13.5.2014)

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