Alles sag- und sangbar mit den Mitteln der Poesie

12. Mai 2014, 18:18
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Das Lyrikfest "Poliversale" liefert ab dem 14. Mai vier Wochen lang exquisite Rundgänge durch die neuere Poesie

Letztlich sei Dichtung die "Kunst des Sehens in Sprache, also ein Sehen im Nachhinein" schrieb Joachim Sartorius in einem Essay. Dieses "Erinnern an die Erfahrung der Erfahrung" ist das genuine Feld nicht nur der Lyrik, sondern allgemein der Literatur immer schon gewesen.

Es gibt allerdings keine literarische Gattung, die wie die Poesie - deren griechischer Wortstamm auf das Erschaffen, das Sein-Geben hinweist - ein solches "Maximum von Ideen mit einem Minimum von Mitteln" (Raoul Schrott) auszudrücken vermöchte. Und Michael Hammerschmid schreibt in einem die Poliversale (ein von ihm und Kurt Neumann konzipiertes Lyrikfest in der Alten Schmiede) flankierenden Essay: Das Wort "Poliversale" könnte man als Chiffre verstehen, die alles mit allem verbindbar erscheinen lässt. Ein universales Vermögen, eine Utopie, eine sprachliche Utopie ließe sich darunter verstehen, dass "alles sag- und sangbar, ausdrückbar ist mit den Mitteln der Poesie."

Daran, so Hammerschmid weiter, knüpfe sich auch eine gesellschaftliche Utopie des Verknüpfens, des Über-Setzens. Die Poliversale liefert nun ab dem 14. Mai vier Wochen lang exquisite Rundgänge durch die neuere Poesie.

Den Anfang beim Lyrikfest, zu dem Dichter aus verschiedenen Sprachkulturen anreisen, machen am 14. Mai (19 Uhr) der Schotte John Burnside und die Italienerin Patrizia Cavalli. Es folgen am 15. 5. (ab 18.30) Ann Cotten (Ö), Ron Winkler (D) und Friederike Mayröcker. In den kommenden Wochen lesen u. a. Nico Bleutge, Ferdinand Schmatz, Adam Zagajewsi, Franz Josef Czernin. (steg, DER STANDARD, 13.5.2014)

  • Liest am Donnerstag: Friederike Mayröcker. 
    foto: apa/neubauer

    Liest am Donnerstag: Friederike Mayröcker. 

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