Dominique Strauss-Kahn bastelt an Politcomeback

12. Mai 2014, 18:15
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Dominique Strauss-Kahn ist seit der Justizcausa um die Vergewaltigung eines Zimmermädchens aus der Pariser Politik verbannt. Sein Schatten schwebt aber weiterhin über dem Élysée-Palast - und in der Person von Gérard Depardieu über dem Cannes-Filmfestival.


Beim Filmfestival von Cannes wird er diese Woche zwar nicht über den roten Teppich schreiten, trotzdem ist Dominique Strauss-Kahn omnipräsent: Der Streifen Welcome to New York ist der (ohne Urteil eingestellten) Vergewaltigungsaffäre des Ex-Währungsfonds-Direktors gewidmet. Hauptdarsteller Gérard Depardieu umschreibt die Handlung als "Tragödie eines Menschen im Zenit der Macht - Opfer seiner Triebe, die er nie infrage gestellt hat, weil er sich seiner zu sicher ist".

Der Trailer zeigt einen Machtpolitiker, umgeben von schönen Frauen, sowie eine Szene, in der ein schwarzes Zimmermädchen in die vermeintlich leere Hotelsuite tritt und laut fragt: "Reinigungsdienst - ist da jemand?" Erschrocken sieht sie einen nackten Mann im Badezimmer stehen, doch der stellt nur die tiefgründige Gegenfrage: "Wissen Sie, wer ich bin?"

Auch wenn Abel Ferraras Film über Strauss-Kahns Sex- und Justizaffäre in Frankreich schon Anlass zu Diskussionen gibt: Er wird dort nicht einmal in die Kinos kommen. Der Vertreiber Wild Bunch bietet ihn ab dem 17. Mai nur via Internet (für sieben Euro) an. Er protestiert damit nach eigenen Angaben gegen das französische Reglement, wonach der DVD-Verkauf erst vier Monate nach der Kinopremiere zulässig ist.

Die Hauptfigur im Film heißt zwar Devereaux und der Plot wird ausdrücklich als "Fiktion" bezeichnet, doch Strauss-Kahn, der in Nordfrankreich noch eine Anklage wegen Zuhälterei zu bewältigen hat, überlegt rechtliche Schritte und hält seine Anwälte ohnehin auf Trab: In Belgien prozessiert er gegen einen Nachtklubbesitzer, der sein Etablissement neckischerweise "DSK" nennt. In Paris geht er gerichtlich gegen den Schriftsteller Régis Jauffret vor, der sich in seinem Roman La Ballade de Rikers Island von Strauss-Kahns Affäre inspirieren ließ.

Berater diverser Regierungen

Wenn der Fastpräsidentschaftskandidat in Frankreich systematisch gegen Rufschädiger vorgeht, hat dies wohl auch geschäftliche Gründe: DSK berät die Regierungen Serbiens und Südsudans und hat mit einem Partner 2013 die Investmentbank LSK gegründet.

Und wie seine gezielten Wortmeldungen zeigen, hat er sich innerlich noch nicht wirklich aus der französischen Politik verabschiedet, obwohl er in Paris weiterhin Persona non grata ist.

Gegenüber Journalisten äußert er sich gerne und mit kaum verborgenem Spott über François Hollande. "Er ist clever: Mit seinem Scooter kommt er überall hin", sagte DSK laut der neusten Titelgeschichte des Wochenmagazins L'Express. "Das Problem ist, dass er sich damit auf dem Concorde-Platz nur im Kreis bewegt."

Abschätzig meint DSK über seinen Parteifreund, der ihn 2011 als sozialistischer Präsidentschaftskandidat ersetzt hatte, er sei ein "kleiner Taktierer" und habe "keine Vision". Auch verstehe Hollande nichts von Wirtschaft; er beglückwünsche sich für die tiefen Leitzinsen, "obwohl sie kein gutes Zeichen sind, sondern nur eine Folge des Problems".

Solche Aussagen bleiben in einem Land, das am Krebsgang seiner Wirtschaft verzweifelt, natürlich nicht unbemerkt. Anlässlich einer Umfrage, wer im Élysée-Palast "besser" als Hollande wäre, nannten die Franzosen in einer Umfrage Alain Juppé und Nicolas Sarkozy auf der Rechten, Manuel Valls und Martine Aubry auf der Linken. Den Spitzenplatz nimmt aber Strauss-Kahn mit 56 Prozent ein.

Die Umfrage war von der Zeitung Le Parisien in Auftrag gegeben worden, ist aber kurioserweise nie erschienen. Der Grund ist wohl ihr überraschendes Resultat. DSK bleibt für die Pariser Politik tabu - obwohl er in allen Köpfen weiterhin herumgeistert. (Stefan Brändle aus Paris, DER STANDARD, 13.5.2014)

  • Ohne die Justizcausa um eine mutmaßliche Vergewaltigung wäre Dominique Strauss-Kahn vielleicht Staatspräsident.
    foto: reuters/christian hartmann

    Ohne die Justizcausa um eine mutmaßliche Vergewaltigung wäre Dominique Strauss-Kahn vielleicht Staatspräsident.

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