Antieuropäische Positionen sind nicht mehrheitsfähig

12. Mai 2014, 18:56
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An der Spitze ein Match zwischen Freund und Karas, dann kommt lange nichts. "Europa anders" wird der am stärksten motivierende Slogan attestiert

Linz - Welche Partei den griffigsten Slogan hat, lässt sich auf der Grafik dieser Seite ablesen: Das Wahlbündnis "Europa anders", das mit Martin Ehrenhauser antritt, trifft mit seiner Werbung "Für ein Europa der Menschen" die Wahlmotive der Österreicher am besten. Allerdings schneidet der Spitzenkandidat des Bündnisses von Kommunisten, Piratenpartei und der bei der Nationalratswahl erstmals aufgetretenen Partei Der Wandel (sie erreichte in Wien und Oberösterreich insgesamt 3051 Stimmen) persönlich deutlich schlechter ab.

Das ergibt sich aus der in der Vorwoche durchgeführten EU-Umfrage des Linzer Market-Instituts für den Standard. In dieser Umfrage zeigt sich, dass die klar antieuropäischen Aussagen - etwa von EU-Stop - nicht einmal jedem dritten Befragten als mögliches Wahlmotiv erscheinen. Sie werden aller in derselben Umfrage geäußerten EU-Kritik zum Trotz von einer Mehrheit abgelehnt.

Market-Wahlforscher David Pfarrhofer: "Slogans allein entscheiden keine Wahl - aber sie müssen zur Stimmung passen. Der Spruch 'Österreich denkt um - zu viel EU ist dumm', den wir natürlich ohne Hinweis auf die FPÖ als Urheber abgefragt haben, spricht eben nur eine Minderheit an. Und für Ewald Stadler reicht es nicht, wenn seine Reformkonservativen mit 'Wehrt Euch' auftreten."

Karas hat "klare Vorstellung"

Market erhob für alle Kandidaten, ob man ihnen zutraut, dass sie "eine klare Vorstellung von der Zukunft Europas haben". Stadler kommt dabei auf zehn Prozent der Nennungen. Nur Angelika Werthmann vom BZÖ ist mit sieben Prozent dahinter. In dieser Fragestellung gewinnt eindeutig Othmar Karas von der ÖVP: Ihm trauen 38 Prozent eine klare Vorstellung von Europas Zukunft zu, nur 23 Prozent sagen explizit, dass sie das nicht glauben (der Rest traut sich kein Urteil zu oder gibt jedenfalls keines ab).

An zweiter Stelle liegt Eugen Freund, dem 35 Prozent eine Vorstellung zutrauen, 31 Prozent sprechen sie ihm ab. Bei Ulrike Lunacek von den Grünen lautet das Verhältnis 32 zu 26, bei Angelika Mlinar von den Neos ist es umgekehrt mit 26 zu 33. Noch klarer sind die Zweifel an Harald Vilimsky von der FPÖ (20/43), Martin Ehrenhauser (16/31) und Robert Marschall von der EU-Austrittspartei (13/42).

der Standard ließ außerdem die Interviewer die Namen der Kandidaten vorlesen und die Befragten bitten, "jeweils zu sagen, ob dieser Kandidat geeignet ist, Ihre Interessen in der EU zu vertreten oder eher nicht".

In dieser Fragestellung bekommt Freund 36 Prozent Zustimmung und 31 Prozent Ablehnung. Für Karas ist das Zahlenverhältnis bei 31 zu 29, bei Lunacek ist der Saldo bei 25 zu 26 statistisch gesehen ebenfalls ausgeglichen. Bei allen anderen ist er negativ: Bei Mlinar lautet er 14/34, bei Vilimsky 11/42, bei Stadler 11/53, bei Ehrenhauser 10/32, bei Marschall 6/31 und bei Werthmann 4/36. (Conrad Seidl, DER STANDARD, 13.5.2014)

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