Treffsichere Klischees auf engem Raum

12. Mai 2014, 17:56
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Das Institut français veranstaltete ein Festival nicht nur frankobelgischer Comics

Wien - Die Bildergeschichten riefen, und die Botschafter kamen.

Es ist ein Indiz für die Beachtung, die Comics in Frankreich und Belgien genießen, dass die obersten diplomatischen Vertreter dieser beiden Länder am vergangenen Wochenende das "2. Comics-Festival" im Institut français persönlich eröffneten.

Sie bekannten sich zu einer Kultur, die grenzüberschreitende Figuren schuf wie Lucky Luke oder Gaston, Spirou oder Tintin, der immerhin sogar Steven Spielberg inspirierte, wie der Franzose anmerkte. In Belgien, ergänzte sein Kollege, gebe es mehr Künstler der gezeichneten Streifen, der "bandes dessinées" (BD), pro Quadratkilometer als sonst wo auf der Welt, das Metier werde auf der Uni unterrichtet und trage zur nationalen Identität mindestens so sehr bei wie Pommes frites, Schokolade und die Königsfamilie.

Rothaarige auf grüner Wiese

Mehr als einen Hauch davon konnten die Besucher am Eröffnungsabend spüren. BD-Produzenten, die für das Festival nach Wien gekommen waren, sprachen ernsthaft und professionell über ihre Praxis. Unter ihnen war etwa José-Louis Bocquet, der sowohl als "scénariste" tätig ist als auch über die BD-Szene publiziert; sein biografischer Comic über die Künstlermuse Kiki de Montparnasse lag im Original und auf Deutsch neben vielen anderen Publikationen auf dem Büchertisch des Festivals aus.

Durch den Abend führte Cuno Affolter, Kurator des Centre BD von Lausanne. Das Festival veranstaltete - wiederum sympathisch grenzüberschreitend - eine kleine Ausstellung über Comics in der Schweiz, "La BD suisse", und Affolter nutzte die Gelegenheit, anhand etlicher Beispiele alle Klischees über sein Heimatland vorzuführen, die in dem Medium verbreitet werden, mehr oder weniger treffsicher.

Da gehören, apropos, natürlich Tells Schuss auf den Apfel dazu und die Löcher im Käse, das Alp- und das Matterhorn und die Banksafes - alles wunderbare Kürzel in liebenswürdigen bis boshaften Storys.

Über diese diskutierten der Direktor des Kremser Karikaturmuseums, Gottfried Gusenbauer, und - als eine Art Ehrengast des Festivals - Jean-Yves Ferri. Ferri hat letztes Jahr von Albert Uderzo den Job übernommen, für Asterix zu texten, und damit eine Beachtung in der französischen Öffentlichkeit erfahren, wie sie in Wien höchstens einer Spitzensopranistin zuteilwird.

Ja, er frage sich immer wieder, ob Asterix das oder jenes so formulieren würde, sagte er im Gespräch mit Moderator und BD-Experten Jean-Pascal Vachon. Ferris neuer Band handelt von Asterix bei den Pikten, also den Schotten. "Ich mag sie gern", sagte er, das sei ein ganz eigenes Ambiente für eine Abenteuerstory. Und stellvertretend für den neuen Zeichner Didier Conrad fügte er hinzu: "Rothaarige auf grüner Wiese - das macht sich gut!" (Michael Freund, DER STANDARD, 13.5.2014)

  • Hat von Uderzo den verantwortungsvollen Job übernommen, die Sprechblasen von "Asterix" zu texten: Jean-Yves Ferri, zu Besuch in Wien.
    foto: michael freund

    Hat von Uderzo den verantwortungsvollen Job übernommen, die Sprechblasen von "Asterix" zu texten: Jean-Yves Ferri, zu Besuch in Wien.

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