"Daraus sollte man dem Bifie nicht den Strick drehen"

12. Mai 2014, 19:13
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Mitglied des wissenschaftlichen Beirats warnt nach "peinlicher" Maturapanne vor "überzogenen Reaktionen"

Wien - Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) hat wegen der vom Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) verantworteten Pannen bei der Zentralmatura "die Nase voll" und will nun die Reifeprüfungskandidaten "ihre Matura in Ruhe fertigschreiben" lassen, um spätestens am Donnerstag, wenn auch Latein und Griechisch vorbei sind, "über das weitere Vorgehen in Sachen Bifie zu informieren", hieß es am Montag auf STANDARD-Anfrage.

Mit dem wissenschaftlichen Beirat des Bifie ist sie dazu nicht in Kontakt, sagte ein Mitglied - Hans Schachl, emeritierter Rektor der Pädagogischen Hochschule der Diözese Linz - zum STANDARD. Er warnt vor "überzogenen Reaktionen". Dass fünf Mathematik-Testpakete unvollständig waren, sei zwar "peinlich, aber man sollte auch fair sein. Solche Fehler können passieren, und es muss geprüft werden, warum es zu so einer Fehlleistung gekommen ist. Aber daraus sollte man dem Bifie jetzt nicht den Strick drehen und dies zum Anlass nehmen, dass es insgesamt ,abgedreht' und die Führungsmannschaft ausgetauscht wird", sagt Schachl, der bei der Bifie-Kritik "verschiedene Bereiche unterscheiden" will.

Die Aufregung um die Notenschwelle in Englisch (63 statt 60 Prozent) etwa hält er für "wirklich überzogen". Und auch das "Datenleck" könne man nicht dem Bifie "anlasten, wenn es ein krimineller Akt war". Dass die Ministerin dies als Anlass nahm, den "fatalen" Pisa-Totalstopp zu verhängen, war aus Sicht des Bifie-Beirats eine "überzogene Reaktion", vor der das Wissenschaftergremium auch eindringlich gewarnt habe bzw. um dessen Rücknahme man Heinisch-Hosek ersucht habe, sagt Schachl angesichts einer jahrelangen Datenlücke für die Forschung in Österreich. Aus eben diesem Anlass und aus wissenschaftlicher Sicht empfiehlt er daher, "die strikte Anbindung des Bifie an das Ministerium zu überdenken". (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, 13.5.2014)

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