Nicht zu rettender Planet

12. Mai 2014, 18:13
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Biosprit, böse Konzerne und bestechliche Wissenschafter - in "Happy Planet" von Thomas Baum fehlt wenig von dem, was unseren Planeten bedroht. Derzeit als Uraufführung am Linzer Theater Phönix

Linz - Mia Kaminski, Studentin, "dumpstert", ernährt sich also von dem, was andere zu Müll erklärt haben, aber noch genießbar ist. Auch Universitätsassistent Konrad Holzbach (Felix Rank) stöbert im Mist, besteht allerdings darauf, dass sein Tun rein politischer Natur ist; warum das zu betonen notwendig ist, bleibt eine der offenen Fragen. Jedenfalls werden die beiden auf dem Firmengelände von Happy Planet von einem Wachmann (Sven Sorring) unsanft vom Gelände beordert. Mia Kaminski (Lisa Fuchs als leicht neben der Spur agierende Aktivistin) organisiert daraufhin einen Flashmob. Filmisch festgehaltene Prügel und deren mediale Verbreitung kratzen am Sauber-Image des Konzerns, wo man derweil aber mit Machtspielen beschäftigt ist: Ein Geschwisterpaar (aalglatt und böse: Judith Richter und David Fuchs) verstrickt sich in Intrigen, ein Lobbyist (Matthias Hack) hilft dabei, Konsumenten zu täuschen.

Biosprit soll die Erde retten, die Rohstoffe dazu wachsen auf unlauter erworbenen Agrarflächen afrikanischer Länder oder werden in Tierkadaververwertungsfabriken gewonnen. Und in den mit "Molke" etikettierten Flaschen lagert tatsächlich etwas ganz anderes. Am Ende fliegt alles in die Luft, die Studentin sitzt im Gefängnis. Der korrupte Uni-Mitarbeiter gibt seine wissenschaftliche für die Konzern-Karriere auf. Viele Nebenstränge, viele Klischees.

Heidelinde Leutgöb inszeniert die Geschichte zwar grundsätzlich spannend - einen etwas schwer nachvollziehbaren Mord, der dem ansonsten sehr kalkulierten Geschäftsführer "passiert", und einen tödlichen Unfall später fühlt man sich trotzdem an einen mahnenden TV-Krimi erinnert. Dieser wird allerdings in ein sehr schönes Bühnenbild von Moritz Oliver Benatzky gesetzt. (Wiltrud Hackl, DER STANDARD, 13.5.2014)

  • Umweltverbrechen, Intrigen und ein angeblicher Jagdunfall: "Happy Planet" im Theater Phönix.
    foto: christian herzenberger

    Umweltverbrechen, Intrigen und ein angeblicher Jagdunfall: "Happy Planet" im Theater Phönix.

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