Rampenversautes Burgenland

Blog13. Mai 2014, 05:30
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Pannoniens Rote und Schwarze üben den dativus ethicus: Sie machen uns das Burgenland proporzfrei - Die Grünen ergrünen uns derweil

Die burgenländischen Grünen sind offenbar gerade dabei, sich in etwas recht Spannendes zu verwandeln. Der Eindruck mag ja täuschen – oder von der plakativen (Strasser) und pubertär-medialen ("Eva") Fettnäpfchentreterei der Bundesgrünen übertüncht werden –, aber erzählenswert scheint es durchaus, was sich da zuletzt getan hat in der pannonischen Landesgruppe, die ja nicht gerade häufig im bundesweiten Gespräch ist.

Rampenversauung

Das hat sich nicht nur durch Michel Reimon geändert. Dem hat DER STANDARD ja vor einiger Zeit nachgesagt, zwar ein heller Kopf zu sein, aber keine Rampensau, was ebendieser STANDARD jetzt via derStandard.at gerne zurückzieht. Denn im Zuge des EU-Wahlkampfes hat der Listenzweite Reimon – weiterhin einer der hellsten politischen Köpfe im Land – ganz offenbar auch die Lust an den Leuten in sich geweckt, die wohl wichtigste emotionale Basis eines Politikers. Kaum schaut man also eine Zeitlang nicht hin, verkoglert einem der Reimon. So wie Werner Kogler die Hypo Alpe Adria, so fasst Reimon nun den Freihandel nicht bloß in Worte, sondern stellt ihn in Rede und Widerrede.

Er tingelt quer durchs Land, teils mit dem nicht minder hellköpfigen Robert Misik, mit dem zusammen er das Buch "Supermarkt Europa. Vom Ausverkauf unserer Demokratie" geschrieben hat, das geschickt die Waage hält zwischen Analyse und Manifest. Ein Buch, das so weit interessiert, dass Reimon-Misik via Facebook und Twitter aus Graz ein "Popstar-Feeling" vermelden konnten. Für ein politisches Buch ist das nicht bloß einiges, sondernd allerhand.

Jobhoppen


Foto: apa/hochmuth Michel Reimon von den Grünen.

Allerhand hat sich auch die Spitzenkandidatin für die regulär im Frühjahr 2015  anstehende Landtagswahl vorgenommen. Regina Petrik hat sich ja als Landesgeschäftsführerin zurückgezogen, und die freie Zeit bis zur Wahl vertreibt sie sich mit der Monatsvariante der Taglöhnerei. Petrik hat sich vorgenommen, je ein Monat in den unterschiedlichsten Berufen unterwegs zu sein. Bis jetzt mit Erfolg, also ziemlich fleißig.

Begonnen hat sie als Mädchen für alles bei der "pannonischen Tafel", danach jobbte sie einschlichtend und bedienend beim "Merkur" in Eisenstadt", nun kellneriert sie im vor allem mittags sehr frequentierten "Stefans Bistro". So wie Michel Reimon (reimon.net) bloggt auch Regina Petrik (reginapetrik.at) fleißig. Das freut klarerweise auch ihre jeweiligen Arbeitgeber, die so unverhofft zu einer Zusatzwerbung kommen.

Wie lange das Projekt "Regina will's wissen" noch läuft, steht in den Sternen der burgenländischen Landespolitik. Aber so wie es ausschaut – und alle beschwören – wird die Legislaturperiode wohl durchgearbeitet werden.  Immerhin steht noch ein gewaltiges Projekt auf der Agenda: die Verfassungsreform mit dem Kernpunkt der Proporzabschaffung.

Schwarzer Waldorf, tiefschwarzer Statler

Dass die spätestens im Herbst (aber wahrscheinlich noch bis zum Sommer) über die Bühne gehen wird, verdankt sich in der Hauptsache der ÖVP, an der Nämliches vor vier Jahren noch gescheitert ist. Obmann Franz Steindl sagt jetzt: "Ich brauche den Proporz nicht." Das darf er auch sagen, nachdem er mit dem verblüffend unschwarzen Instrument einer Urabstimmung über sich die innerparteilichen Waldorfs und Statlers mit breiter Mehrheit zum (wohl eh nur vorübergehenden) Schweigen gebracht hatte. (Wolfgang Weisgram, derStandard.at, 13.5.2014)

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