Wie Lockstoffe Immunzellen zum "Schlachtfeld" lotsen

25. Mai 2014, 17:47
posten

Forscher entschlüsseln bisher unverstandenen Aspekt in Immunantwort auf Angriffe durch Keime

Hannover/Birmingham - Damit unser Körper für einen Angriff von außen eine schnelle und effektive Immunantwort parat hat, bedarf es eines koordinierten Vorgehens unzähliger und im ganzen Körper verteilter Immunzellen. Damit das klappt, hat unsere Immunabwehr ein komplexes System aus Lock- und Signalstoffen sowie Rezeptoren entwickelt. Die Bindung eines Lockstoffes an seinen Rezeptor ermöglicht es Immunzellen, gezielt zu einem Ort zu wandern, um dort beispielsweise eingedrungene Mikroorganismen zu bekämpfen. Dabei bewegt sich die Zelle immer dorthin, wo am meisten Lockstoff vorhanden ist, also Richtung Quelle der Produktion. Bisher nicht nicht verstandene Abläufe im Rahmen dieses Vorgangs konnte nun ein internationales Forscherteam entschlüsseln.

Bisher nahm man an, dass sich die Botenstoffe von dieser Quelle aus passiv per Diffusion im umliegenden Gewebe verteilen, so dass ein Gradient entsteht, anhand dessen sich die wandernden Zellen orientieren können. Forscher um Reinhold Förster vom MHH-Institut für Immunologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), und Antal Rot von der Universität Birmingham, UK, konnten nun jedoch im Fachjournal "Nature Immunology" zeigen, dass solche Gradienten auch auf aktive Weise entstehen – indem "atypische Rezeptoren" Lockstoff binden und abbauen.

Auf der Suche nach dem Boden

So steuert zum Beispiel der atypische Rezeptor CCRL1 den Eintritt von Zellen in Lymphknoten: Zunächst gelangen die Zellen in den Lymphknoten-Eingangsbereich, den subkapsulären Sinus. Von dort müssen sie sich durch den Boden des Raums 'bohren', um in den Lymphknoten zu gelangen. Doch wie weiß eine Zelle – in einem Raum ohne Türen und Fenster – welche Wand der Boden ist? Die eigentlich hilfreichen Lockstoffe sind überall in diesem Raum vorhanden. Hier kommt CCRL1 an der Decke des subkapsulären Raums zum Einsatz. "CCRL1 saugt laufend Lockstoffe ab, so dass sich mehr davon am Boden befinden", erläutert die Tierärztin Kathrin Werth, Co-Erstautorin.

"Bisher wurde angenommen, dass Gradienten nur durch Diffusion entstehen; mit dem hier gefundenen aktiven Aufbau von Lockstoffgradienten lassen sich viele bisher nicht verstandene Beobachtungen in der Immunologie sowie in der Entwicklungsbiologie sehr gut erklären", sagt Förster, Co-Seniorautor der Studie. Es bleibe die spannende Frage, an welchen anderen Stellen im Körper diese atypischen Rezeptoren noch überzählige Wegweiser entfernen, um Immunzellen zu navigieren. (red, derStandard.at, 25.05.2014)

Share if you care.