Politik und Vereine sehen "12 Punkte für Toleranz"

12. Mai 2014, 13:54
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Hundstorfer kündigt Optimierung des Diskriminierungsgesetzes an - Alf Poier entschuldigt sich für "harte Wortwahl"

Kopenhagen/Wien - Als Folge von Diskriminierungen hat Tom Neuwirth die Kunstfigur Conchita Wurst einst kreiert. Dass sein Sieg beim Song Contest daher auch ein gesellschaftspolitischer ist, darüber sind sich Fans, Aktivisten und Politiker einig. "Das, was Tom Neuwirth mit seiner Kunstfigur erreicht hat, kann man als Aktivist nie erreichen", zeigt sich der Wiener HOSI-Obmann Christian Högl überzeugt.

Die Homosexuellen Initiative Wien (HOSI) misst dem ESC-Triumph von Conchita Wurst jedenfalls große Bedeutung bei: "Wir freuen uns enorm. Der Song Contest ist eine Unterhaltungsveranstaltung, letztendlich war es aber eine politische Botschaft", so Högl. Er hoffe, dass der Sieg tatsächlich etwas bewirke - nämlich vor allem ein Umdenken bei all jenen, die noch gegen eine Gleichstellung etwa im Bereich des Eherechtes oder bei Schutz vor Diskriminierung seien.

Österreich solle hier mit Dänemark gleichziehen, dort sei dies bereits seit langem umgesetzt. Trotz der noch offenen Forderungen, so betonte der HOSI-Obmann jedoch, sei er mit der Situation in Österreich aber "sehr zufrieden". Sein Kollege aus Oberösterreich, HOSI Linz-Vereinssprecher Rainer Bartel, dehnt die Hoffnung in einem Statement geografisch noch aus: "Die Menschen in Europa sind weiter - das zeigt der Sieg Conchita Wursts jedenfalls. (...) Langfristig werden sich die Sehnsucht nach einer toleranten Gesellschaft und der Wunsch nach selbstbestimmten Leben und individueller Freiheit nicht aufhalten lassen."

Von "12 Punkten für Toleranz" sprechen die "austrian gay professionals" (agro) in einer Aussendung in Bezug auf die Höchstpunktzahl beim Song Contest. "Die breite Anerkennung, speziell seitens der Politik" schüre die "Hoffnung, dass Akzeptanz und Gleichstellung von Homosexuellen einen neuen und wertvollen Impuls bekommen haben". Soho, die Organisation der Sozialdemokratischen Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender und Intersexuellen, sieht es "an der Zeit, dass Konservative ihren Widerstand gegen die Öffnung der Ehe, das volle Adoptionsrecht und die Diskriminierungsrichtlinie außerhalb der Arbeitswelt aufgeben", so Peter Traschkowitsch, Bundes- und Wiener Landesvorsitzender der Soho.

Gesetzesänderungen

Optimiert gehöre jedenfalls der Diskriminierungsschutz hierzulande, mahnt Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) als Reaktion auf den Sieg Conchita Wursts in einer Aussendung ein. In der Arbeitswelt sei der Schutz vor Diskriminierungen aufgrund einer bestimmten sexuellen Orientierung zwar festgeschrieben, außerhalb aber nicht. "Die Gesellschaften in Europa und Österreich sind weiter als die Gesetze", so Hundstorfer, der sich nach dem nun gesetzten Signal erhofft, "nun die Zustimmung der ÖVP zu dem längst fertigen Entwurf für einen besseren Diskriminierungsschutz zu bekommen".

Laut Umweltminister Andrä Rupprechter (ÖVP), der sich zuletzt entgegen der Parteilinie für ein Adoptionsrecht für Homosexuelle ausgesprochen hat, wurde der Nachdenkprozess in der Volkspartei jedenfalls schon eingeleitet. "Ich glaube, es gibt da entsprechende Prozesse, die wir eingeleitet haben, wo auch ich meinen Beitrag leisten werde", so Rupprechter am Montag im Ö1-"Mittagsjournal". Er wertet den Sieg Wursts als "richtige Botschaft des respektvollen Umgangs miteinander", die auch "sehr nachhaltig" sei.

Poier entschuldigt sich

Bei einem ist die Botschaft offenbar doch noch angekommen: Sogar Alf Poier, der sich im Vorfeld der Veranstaltung im Interview mit "Die ganze Woche" zu Ausfälligkeiten gegenüber Wurst hinreißen ließ, entschuldigte sich am Montag in einer Aussendung für seine "harte Wortwahl". Er sei aufgrund seiner "polemisch gemeinten, aber zu hart rübergekommenen Worte" von vielen instrumentalisiert worden. "Nur nicht von Dir selber!", richtete Poier seine Worte an Wurst. "Das nenne ich wahre Toleranz. Du bist doch viel mehr als nur ein künstlich hochstilisiertes Toleranzpüppchen." (APA, 12.5.2014)

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