Unterm Hammer: Lord Sinclairs Aston Martin DBS

Ansichtssache13. Mai 2014, 11:20
80 Postings

Vor über 40 Jahren startete die heute legendäre TV-Serie "Die Zwei". Demnächst wird einer der Hauptdarsteller versteigert: Roger Moores edelgelber Aston Martin

Anfang der 1970er war die Welt noch in Ordnung. Vor allem für Lord Brett Sinclair und seinen Kompagnon Danny Wilde. Der eine war ein stinkreicher, soignierter Vertreter einer Jet-Set-Variante der englischen Hocharistokratie, der andere ein Emporkömmling aus den Elendsquartieren von New York, der sich zum Petro-Dollar-Millionär hochgearbeitet hatte.

Trotz unterschiedlicher Herkunft waren sich die beiden Bonvivants bei prinzipiellen Dingen der Alltagsbewältigung einig: Das Leben ist ein mit reichlich Hochprozentigem aufgeladener Dauer-Urlaub  in allerlei Traum-Destinationen (St. Tropez, Cannes, Monaco, Rom, diverse altehrwürdige englische Landschlösser), Gespielinnen sind stets parat und vor allem einladend bekleidet, dazwischen werden diverse Super-Sportwagen motiviert bewegt und so ganz nebenbei Mörder sowie andere Früchtchen zur Strecke gebracht.

Grenzbanal und fabulierwütig

Das war der relativ simple Plot der britischen TV-Serie "The Persuaders", die ab 1972 mehrmals wiederholt unter dem Titel "Die Zwei" im deutschsprachigen Fernsehen anlandete. Die grenzbanalen Stories, an denen sich die Hauptdarsteller Roger Moore und Tony Curtis abzuarbeiten hatten, wären hierzulande längst in Vergessenheit geraten, wenn bei der Synchronfassung nicht ein offensichtlich fabulierwütiger Sprachkünstler am Werk gewesen wäre: Rainer Brandt.

Erst seine Dialoge, die erheblich vom Original abwichen, waren es, die der Koteletten-Klamotte im deutschsprachigen Raum einen sogenannten Kultstatus bescheren sollte. Von flapsigen, selbstironischen Sprüchen, über Gaga-Binsenweisheiten bis hin zu dadaistischen Schüttelreimen  war in "Die Zwei" kein Mangel.

Ziehen Sie mal das Gesicht ein

Heute mögen diese Sentenzen etwas altbacken wirken, doch damals, Mitte der 1970er, waren sie Sinnbild für eine neue Lockerheit in der deutschsprachigen TV-Unterhaltung. Beispiele gefällig? "Ich höre Hufschlag, der König kömmt." "Sleep well in your Bettgestell." "Trägt einen Bart wie Einstein nach der Wurmkur." "Ziehen Sie mal das Gesicht ein." "Wo nimmst du nur deine brüllanten Reinfälle her?" Oder das von Wilde an Lord Sinclair in der ersten Folge gerichtete: "He, Schmusebacke, stellen Sie mal Ihren Kachelofen beiseite, man möchte passieren!"

Der "Kachelofen", das war im konkreten Fall Lord Sinclairs elegisch-eleganter Dienstwagen, ein Aston Martin DBS. Der Grand Touring war - gemeinsam mit Danny Wildes Ferrari 264GT – wohl einer der Hauptgründe, warum "Die Zwei" Dauerparker in so manchen Bubenträumen wurden. Die können am 17. Mai Realität werden, dann nämlich versteigert das Auktionshaus Bonhams in der Fabrik von Aston Martin den Original-Star aus der britischen TV-Serie.

foto: bonhams

Der DBS, 1967 als Nachfolger des DB6 präsentiert, war nichts weniger als der letzte Rettungsstrohhalm für die schwer angeschlagene britische Aston Martin Lagonda Ltd. Die ersten Design-Entwürfe lieferte die Mailänder Carrozzeria Touring, der Feinschliff wurde in England besorgt.

1
foto: bonhams

Die zum Start geplante V8-Motorisierung blieb in der Entwicklung stecken, also lief der 2+2-Sitzer mit dem Muscle-Car-Appeal anfangs mit einem 287-PS-Sechszylinder  vom Band. Als Ende 1969 der DBS V8 endlich in Reichweite war, gedachten die Engländer ihr neues Supercar auch per TV-Präsenz zu promoten.

2
foto: bonhams

Der "Persuaders"-Plot kam den Sportwagenbauern gerade recht, vor allem aber Hauptdarsteller Roger Moore, der damals dank seiner "Simon Templar"-Einsätze einer der heißesten Aktien im britischen TV-Geschäft war. Allein: Als der Dreh zu den "Persuaders" anhob, war der Achtzylinder noch immer nicht fertig. In hoher Not zog man einen Sechszylinder von der Fertigungslinie, peppte ihn mittels V8-Logos, diversen Badges und neuen Felgen auf Top-of-the-Line-Aston auf.

3
foto: bonhams

Bei der Farbwahl gab man sich bei Aston Martin wenig distinguiert: Bahama-gelb nennt sich der Lack, eine Reverenz an die 1970er. Der Wagen wurde am 15. Mai 1970 mit dem Kennzeichen PPP 6H angemeldet und samt Mechaniker Richtung Film-Set verschickt.

4
foto: bonhams

In seiner Rolle trägt der Edel-Engländer die Initialen seines Besitzers Brett Sinclair und eine Statusauskunft auf den Kennzeichen: "BS 1". Bevor jedoch die Produzenten das Kürzel nutzen durften, musste erst Zirkus-Impresario Billy Smart um Erlaubnis gefragt werden. Der trug im richtigen Leben das "BS 1" – und er erlaubte. An dieser Stelle eine Information für TV-Beckmesser: In der letzten Folge schluderte die Film-Crew und ließ Sinclair mit dem Originalkennnzeichen PPP 6H vor die Kamera.

5
foto: bonhams

Trotz des Einsatzes populärer Filmstars wie Tony Curtis (li.) und Roger Moore sowie eines üppigen Budgets (Es wurde meist an Originalschauplätzen gedreht) hob die Serie nicht wirklich ab. Außer in Großbritannien, Australien und dem deutschsprachigen Raum kamen die kunterbunten Jet-Set-Stories nur mäßig an, in den USA legte "The Persuaders" gar einen richtigen Bauchfleck hin.

6
foto: bonhams

Als Roger Moore während des Drehs als neuer James Bond-Darsteller anheuerte, zogen die Macher nach nur 24 Folgen die Reißleine. Erstaunlich: Moore sollte in seiner sieben Filme währenden Bond-Karriere nie auf einen Dienstwagen von Aston Martin zurück greifen – was nicht zuletzt daran lag, dass die Engländer 1973 in die Pleite schlitterten und in den folgenden Jahren keine Zeit für Entertainment hatten.

7
foto: bonhams

Der bahamagelbe Aston Martin DBS ging nach Ende des Drehs zurück an Aston Martin. Nach einem Lifting wurde der Wagen an einen Händler verkauft, drei Besitzer später und ziemlich heruntergekommen, erfolgte Bonhams zufolge im Jahr 1995 eine Komplett-Restaurierung mit Originalteilen. Nach dem zweijährigen Eingriff kam der DBS nur noch selten unters Volk.

8
foto: bonhams

Seit 1997 sind bloß 6000 Meilen, dafür aber jährliche Service-Checks bei Aston Martin in Newport Pagnell verbucht, 81.350 Meilen stehen auf der Uhr. Das Auktionshaus betont eine "superb running condition". Eine hochemotionale Beigabe hat der "Persuaders"-DBS auf der Innenseite des Kofferraumdeckels versteckt: Jeweils ein Autogramm von Roger Moore und Tony Curtis. Schätzpreis für die Preziose: zwischen 430.000 und 670.000 Euro.

9

Eine Summe wie ein Faustschlag - dessen Folgen dieser kleine Ausschnitt aus der ersten Folge von "The Persuaders" (Danny Wilde und Lord Sinclair schließen gerade Freundschaft, Quelle: Network Distributing) lindern sollte. (Stefan Schlögl, derStandard.at, 13.5.2014)

Link

Bonhams

10
Share if you care.