Hepatitis C: Wie virale Proteine in menschlichen Zellen interagieren

12. Mai 2014, 12:23
posten

Basierend auf neuen Ergebnissen aus München könnten neue antivirale Wirkstoffe gefunden werden

Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München haben erstmalig das Interaktions-Netzwerk der Hepatitis C Virusproteine in lebenden menschlichen Zellen entschlüsselt. Damit tragen sie zu einem  verbesserten Verständnis der Krankheitsmechanismen der durch Hepatitis C Viren verursachten entzündlichen Lebererkrankung bei und eröffnen neue Ansatzpunkte für die Therapieentwicklung. Die Ergebnisse sind im Fachjournal "Molecular & Cellular Proteomics" veröffentlicht.

Virale Wechselwirkungen

Viren nutzen menschliche Zellen, um sich zu vermehren und zu verbreiten. Dabei spielen sowohl Interaktionen mit zellulären Wirtsfaktoren als auch Virus-Virus-Interaktionen eine Rolle. Wechselwirkungen viraler Proteine sind zum Beispiel für den Zusammenbau neuer infektiöser Viruspartikel essentiell.

Das Hepatitis C Virus (HCV) bildet ein Vorläuferprotein, das zu zehn viralen Proteinen prozessiert wird. Wie diese Proteine miteinander interagieren und somit wichtige Schritte im viralen Vermehrungszyklus regulieren, haben nun deutsche Wissenschafter herausgefunden. Die Aufklärung eines solchen Interaktionsnetzwerks schafft ein besseres Verständnis der viralen Krankheitsmechanismen und legt die Grundlage für neue Therapieansätze.

Neue Wirkstoffe

Für die Untersuchungen wandte das Team die FACS-FRET-Technik an, die in Hamburg entwickelt wurde. Mittels FACS-FRET lassen sich Protein-Interaktionen in lebenden Zellen charakterisieren. Darüber hinaus kann die Bedeutung bestimmter Proteininteraktionen für die Vermehrung der Viren untersucht werden. Die Methode eignet sich zudem für ein Wirkstoffscreening antiviraler Substanzen.

Basierend auf den neuen Ergebnissen könnten neue antivirale Wirkstoffe gefunden werden. Insbesondere wenn sich diese spezifisch gegen Virus-Virus-Interaktionen richten, ist von einem geringen Nebenwirkungsprofil auszugehen. Diese Vermutung hat sich schon in ersten Wirkstoffscreens bestätigt. "Da unsere Methode interdisziplinär anwendbar ist, wollen wir sie zudem nutzen, um die Netzwerke anderer humanpathogener Viren aufzudecken. Ich denke zum Beispiel an das Hepatitis B Virus oder an HIV", sagt Virologe Michael Schindler.

Share if you care.