Online-Nachhilfe kommt in Österreich nur zögerlich vom Fleck

12. Mai 2014, 11:38
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Großes Wachstum, aber von sehr niedrigem Niveau - Online-Anbieter Lernstar.at rechnet wegen "Technologieskepsis der Eltern" nicht mit Boom

In den USA, Großbritannien oder Südkorea boomt Internet-Nachhilfe schon seit Jahren, mit Verspätung und noch zögerlich kommen nun auch hierzulande immer mehr Schüler auf den Geschmack. So berichtet der deutsche Anbieter Tutoria von einem "wachsenden Anteil" an Online-Nachhilfe in Österreich. "Das Wachstum ist sicher groß - aber von sehr niedrigem Niveau", bestätigt David Bogner von Lernstar.at.

Bei Online-Nachhilfe können Schüler und Lehrer gemeinsam Probleme und Aufgaben lösen, als säßen sie nebeneinander. Möglich wird das durch interaktive Tafeln, auf denen beide gleichzeitig arbeiten können. Kommuniziert wird per Videokonferenz.

Wachstum

Noch liege der Schwerpunkt in Österreich ganz klar auf Einzelnachhilfe beim Schüler zuhause und die Unterstützung per Internet sei insgesamt betrachtet relativ gering. Es gebe allerdings "sehr starke Zuwächse", berichtet Christian Nowak, Geschäftsführer von Tutoria, auf APA-Anfrage. Beim Schwesterunternehmen in Deutschland wachse die Online- bereits stärker als die Präsenznachhilfe - und dieser Trend werde sich auch in Zukunft fortsetzen, erwartet Nowak. Das Online-Angebot sieht er dabei nicht wirklich als direkte Konkurrenz zur klassischen Nachhilfe: So werde das Internet vor allem zusätzlich zu "normaler" Nachhilfe zur kurzfristigen Prüfungsvorbereitung genutzt. Außerdem fallen Schüler in ländlichen Regionen, wo für bestimmte Fächer kein passender Lehrer zur Verfügung steht, in die Zielgruppe.

Skepsis

Deutlich skeptischer schätzt man die Entwicklungschancen beim 2009 gestarteten ersten österreichischen Online-Nachhilfe-Portal Lernstar.at ein, das den Erstkontakt zwischen Schülern und Trainern vermittelt und die Technik zur Verfügung stellt. Dort haben zwar die Aufträge im Vergleich zu 2013 um zehn bis 20 Prozent zugelegt. Trotzdem ist Bogner, der sich schon seit Langem mit E-Learning im Bereich der Lehrerfortbildung beschäftigt, skeptisch, ob es den von manchen Anbietern erwarteten Online-Boom geben wird. Dieser werde unter anderem an der "gewissen Technologieskepsis der Eltern" scheitern, die Computer immer noch "mit Spielen im negativen Sinn" verbinden, meint der Webexperte im APA-Gespräch.

Dabei sieht Bogner für die Zielgruppe - Schüler, für die ein klassisches Nachhilfe-Angebot wegen langer Wegzeiten nur schwer erreichbar ist oder die besondere Flexibilität brauchen - klare Vorteile bei Online-Angeboten: Schon vor der Stunde können sie Fragen und Beispiele deponieren, die sie behandeln wollen. Später können sie diese gemeinsam an einem virtuellen Desktop bearbeiten, die Kosten für den Einzelunterricht sind dabei deutlich geringer als bei klassischer Nachhilfe.

Nischenprodukt

Bei Lernquadrat, einem der größten Nachhilfe-Anbieter des Landes, versteht man Online-Nachhilfe trotzdem nur als Nischenprodukt. "Wir haben das probiert, getestet und wieder fallen gelassen", schildert Geschäftsführer Konrad Zimmermann im APA-Gespräch seine Erfahrungen. Sogar die "Kronen Zeitung" habe Anfang der 2000er ihre Online-Nachhilfe innerhalb von einem Jahr mangels Nachfrage wieder eingestellt.

Seine Erklärung: Der durchschnittliche 13-jährige, der zu Lernquadrat komme, habe Probleme bei der Motivation. Nur wenn der Lehrer es schaffe, eine Beziehung zu ihm herzustellen, könne Lernen auch gelingen - und das gehe am besten im direkten Kontakt, das Lernen in einer Gruppe Gleichaltriger sei noch ein weiterer Motivationsschub. "Schüler, die heute Online-Nachhilfe nutzen, wissen genau, was sie wollen und sind motiviert - das ist aber nur ein ganz kleiner Teil der Zielgruppe." (APA, 12.05.2014)

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