Kein Denkmal für Deserteure

11. Mai 2014, 16:59
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Im Pongauer Goldegg wird es kein Denkmal für 14 ermordete NS-Opfer geben. Der Klubchef der Grünen ist nun dagegen

Salzburg - Am 2. Juli jährt sich der Sturm einer rund eintausend Mann starken Todesschwadron der SS auf die Verstecke einer kleinen Gruppe von Wehrmachtsdeserteuren im Pongauer Goldegg zum 70. Mal. Im Zuge der SS-Aktion wurden mehrere Menschen erschossen, andere wurden in Konzentrationslager gebracht und ermordet. Insgesamt 14 Menschen haben ihr Leben verloren.

Mit Unterstützung des renommierten Salzburger Zeithistorikers Michael Mooslechner bemüht sich Brigitte Höfert seit vielen Jahren um einen Gedenkstein für die Goldegger Nazi-Opfer. Die heute 74-Jährige ist die Tochter von Karl Rupitsch - dem Anführer der Wehrmachtsdeserteure.

Bürgermeister dagegen

Aus dem Plan, zum Jahrestag im Hof von Schloss Goldegg heuer eine vom Künstler Anton Thuswaldner entworfene Steinplatte mit den Namen der 14 Ermordeten zu verlegen, wird aber nichts. Obwohl aus privaten Mitteln finanziert, hat sich Bürgermeister Hans Fleißner (ÖVP) stets gegen das Mahnmal ausgesprochen. Er wolle dieses "am Ort des tragischen Geschehens" sehen. Ein Vorschlag, den Brigitte Höfert nicht akzeptieren kann, befanden sich doch die Verstecke der Deserteure weit weg vom Ortszentrum am abgelegenen Böndlsee.

Grüner Schwenk

Ursprünglich ist Höfert neben dem Historiker Mooslechner, der die Ereignisse um den 2. Juli 1944 bereits 1986 publiziert hatte, auch vom Obmann des Goldegger Kulturvereins Cyriak Schwaighofer unterstützt worden. Schwaighofer - als Klubobmann der Grünen im Landtag und ehemaliger Landessprecher einer der wichtigsten Funktionäre der Grünen im Land Salzburg - hat sich von dem Gedenkstein inzwischen aber ebenso verabschiedet wie Bürgermeister Fleißner. Man müsse zuerst "einen Dialog" im Ort starten, um das Geschehene aufzuarbeiten, sagt er im Standard-Gespräch.

Erst dann könne es eine Entscheidung geben, ob und wenn ja, wo welches Denkmal aufgestellt werden könne. Der von Rupitsch-Tochter Höfert angestrebte Stein im Schlosshof sei jedenfalls kein geeignetes Mittel, um ihren Vater im Ort zu rehabilitieren.

Unterstützung vorgegaukelt

Schwaighofers Nein blieb nicht unwidersprochen. Gerade der "schlichte Gedenkstein hätte ein wunderbarer Beginn für eine substanziell inhaltliche Aufarbeitung" sein können, betont Mooslechner. Er erwarte sich von Politikern 70 Jahre nach dem Krieg, dass sie die intellektuelle und politische Kraft haben, voranzugehen und nicht zu warten, bis alle Zweifel in der Bevölkerung ausgeräumt seien.

In zwei offenen Briefen kritisiert Mooslechner Schwaighofer heftig. Darunter ist auch für die Grünen politisch wenig Schmeichelhaftes: So habe Schwaighofers Fraktion beispielsweise nicht reagiert, als in der 2009 erstellten Ortschronik die Deserteure als "Landplage" bezeichnet worden waren. Besonders empört den Historiker die menschliche Dimension: Zahlreichen betagten Angehörigen sei von Schwaighofer vorgegaukelt worden, er setze sich für ihr Anliegen ein, schreibt Mooslechner. Dann aus dem Projekt auszusteigen, ohne diese Menschen zu informieren, "das ist charakterlos und schäbig". (Thomas Neuhold, DER STANDARD, 12.5.2014)

  • Der Pongauer Holzarbeiter Karl Rupitsch wurde im Oktober 1944 in Mauthausen ermordet. Er hat den Dienst in der Wehrmacht verweigert. Seine Tochter kämpft bis heute um seine Rehabilitation.
    foto: höfert

    Der Pongauer Holzarbeiter Karl Rupitsch wurde im Oktober 1944 in Mauthausen ermordet. Er hat den Dienst in der Wehrmacht verweigert. Seine Tochter kämpft bis heute um seine Rehabilitation.

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