Pfizer-Deal macht US-Politiker nervös

11. Mai 2014, 15:29
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Im November stehen in den USA Wahlen an, Politiker in deren Bezirken Jobs auf dem Spiel stehen, schalten sich nun in die Debatte um den Pharma-Deal ein

London/Washington - Der US-Pharmagigant Pfizer muss sich mit den Plänen für die Milliarden-Übernahme des britischen Rivalen AstraZeneca gegen wachsenden Widerstand stemmen. Die Furcht vor dem Verlust zahlreicher Arbeitsplätze rief nach der britischen Regierung am Wochenende auch US-Politiker auf den Plan, weil AstraZeneca auch in ihren Wahlkreisen viele Menschen beschäftigt.

Pfizer will den unwilligen Konzern für 106 Milliarden Dollar kaufen und ist bekannt dafür, nach Übernahmen im großen Stil Stellen zu streichen. Die Amerikaner sollen ihre Pläne diese Woche vor dem britischen Parlament verteidigen und erklärten im Vorfeld, die Übernahme werde sich als Erfolg für Gesellschaft und Aktionäre herausstellen.

Wahlen

Die demokratischen US-Abgeordneten John Delaney aus Maryland und Katherine Clark aus Massachusetts kündigten an, sich für den Erhalt der Jobs in ihren Wahlkreisen einzusetzen. AstraZeneca beschäftigt Mitarbeiter in den Bezirken von mehr als zwölf Kongressmitgliedern, unter anderem in dem des republikanischen Präsidenten des Repräsentantenhauses, John Boehner.

Bei den Kongresswahlen im November wird die gesamte Kammer sowie ein Drittel des Senats neu gewählt. Deshalb stehen die Politiker unter besonderem Druck. Auch die britische Regierung fordert von Pfizer verbindliche Zusagen, dass heimische Arbeitsplätze für Hochqualifizierte und in der Forschung erhalten blieben. Die Opposition hält Premierminister David Cameron vor, britische Interessen nicht ausreichend zu schützen.

Verbesserte Offerte erwartet

AstraZeneca hat das Angebot als viel zu niedrig abgelehnt. Sollte Pfizer AstraZeneca kaufen, wäre es die größte Übernahme eines britischen Unternehmens durch einen ausländischen Bieter. Pfizer ist vor allem an den vielversprechenden Krebsmitteln von AstraZeneca interessiert.

Am Dienstag und Mittwoch werden Manager beider Konzerne zwei Ausschüssen des britischen Parlaments Rede und Antwort stehen. Pfizer-Chef Ian Read hat Cameron zugesagt, dass die Übernahme nicht zulasten der Forschung in Großbritannien gehen werde, denn immerhin sei diese der Hauptgrund für das Kaufangebot. Pfizer werde das von AstraZeneca in Cambridge geplante Forschungszentrum fertigstellen und auch an dem Werk im nordenglischen Macclesfield festhalten. 

Unterschiedliche Auffassungen

Zudem sollen 20 Prozent der Mitarbeiter im Forschungsbereich nach der Fusion in Großbritannien beschäftigt werden. Verbindliche Zusagen machte Read in einer am Samstag veröffentlichten Videobotschaft allerdings nicht. Viele Branchenexperten gehen davon aus, dass Pfizer sein Angebot nach den parlamentarischen Anhörungen noch einmal versüßen wird, um AstraZeneca zu Verhandlungen zu bewegen.

Read widersprach AstraZeneca-Chef Pascal Soriot, der gesagt hatte, eine Fusion könnte die Entwicklung einer Reihe von Medikamenten stören, die derzeit klinisch getestet würden. Aus seiner Sicht wäre die Zusammenführung der beiden Forschungsabteilungen sehr leicht, sagte Read. Pfizer hat für mehrere Forschungszentren und Fabriken von AstraZeneca Garantien abgegeben. Diese sollen aber nur gelten, wenn sich die Umstände nicht signifikant änderten. Das hat in Großbritannien die Forderung nach wasserdichten Zusagen hervorgerufen. (APA, 11.5.2014)

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