Jacob Zuma: Skandalpolitiker und Polygamist mit Ausdauer

9. Mai 2014, 18:54
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Südafrikas Staatspräsident Jacob Zuma hat wieder einmal Durchhaltevermögen bewiesen. Zufrieden über ein solides Wahlergebnis trotz massiver Kritik aus der Bevölkerung schreitet der 72-Jährige mit seinem bekannten Lächeln in seine neue Amtszeit.

Zumas Markenzeichen ist die Freundlichkeit. Er geht auf Menschen zu, beherrscht die Gepflogenheiten der lockeren Unterhaltung auf allen Plattformen. Dabei wird er von vielen unterschätzt. Der im ländlichen Kwazulu-Natal geborene einstige Hirtenbub hat eine beachtliche Karriere hinter sich.

Wird ihm im höchsten Amt im Staat auch häufig seine mangelnde Schulbildung angekreidet, bleibt kein Zweifel: Zuma hat dem Afrikanischen Nationalkongress (ANC) nicht nur seit dem 17. Lebensjahr sein Leben gewidmet. Er hat auch klar Stellung bezogen: Er war führend im bewaffneten Flügel "Umkhonto we Sizwe" und arbeitete später in den 1970er-Jahren - nach zehn Jahren Haft auf Robben Island - im Exil. Im ANC-Hauptquartier in Sambia stieg er zum Chef des ANC-Geheimdiensts auf.

Ein solcher Mann hat Spürsinn und Härte für seine Gegner sowie Ausdauer für seine Sache - den politischen Überlebenskampf. Zuma stieg schnell auf in der ANC-Hierarchie. Sein Geschick bei Vermittlungen brachte ihm die Leitung der Verhandlungen zwischen dem Apartheid-Präsidenten Frederik Willem de Klerk und Nelson Mandela ein.

In der späteren politischen Arena hat Zuma ebenfalls Zähigkeit bewiesen. Er folgte Mandelas Nachfolger Thabo Mbeki 2009 ins Amt, zuvor war er Vizepräsident unter Mbeki. Dieser sah sich 2005 gezwungen, Zuma wegen Korruptionsverdachts und starken Drucks aus der Öffentlichkeit zu feuern. Zumas Gerichtsfälle wegen angeblicher Vergewaltigung und Betrugs häuften sich. Doch er überlebte politisch jede Runde und feierte stets ein Comeback.

Viele Südafrikaner haben trotzdem oft nur Zynismus und selten gute Worte für Zuma und seine "leere" Politik übrig. Ihren Präsidenten - den Zulu, der gerne im Leopardenfell tanzt - beschreiben sie als "Witzfigur", seine Staatsauftritte sind ihnen peinlich. Und sein Privatleben: Nicht nur, dass er immer wieder im Verdacht stand, Frauen zu Sex gezwungen zu haben, er sorgte auch mit angeblichen Aussagen wie "Duschen schützt gegen Aids" für Empörung. Der überzeugte Polygamist hat derzeit vier Ehefrauen, insgesamt sechsmal geheiratet und mindestens 20 Kinder. (Martina Schwikowski, DER STANDARD, 10.5.2014)

  • Jacob Zuma im Wahllokal
    foto: reuters/rogan ward

    Jacob Zuma im Wahllokal

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