Die Zehe des Dompfarrers Toni Faber

9. Mai 2014, 18:13
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Nicht überraschend, wurde der Anachoret mit Society-Anschluss das Opfer einer Twitter-Gang, die ihn lieber in den Katakomben sähe

Ein tiefe Sehnsucht der hiesgen Menschheit hat im Ringen um seinen Status als Qualitätsblatt diese Woche "Heute" erfüllt: Es enthüllte seinen treuesten Leser. Roman (38) ist unser treuester "Heute"-Leser - sein Wunsch: einmal auf Seite 3 posieren. Das erfüllen wir dem Niederösterreicher von Herzen gerne! Wie die Redaktion bei der Art des Vertriebs von "Heute" feststellen konnte, dass es sich bei Roman (38) um unseren treuesten Leser und vielleicht nicht nur um den zweittreuesten oder gar nur um einen Gelegenheitsleser mit Wunsch, einmal auf Seite 3 zu posieren, handelt, blieb Redaktionsgeheimnis. Dennoch war es schön zu sehen, wie die Dichands Lesertreue belohnen, wenn sie glauben, damit auch etwas für die Leserinnen von "Heute" zu tun. Um von "Standard" -Leserinnen einen Informationsnotstand abzuwenden, sei erwähnt: Roman (38) sieht genau so aus wie ein Niederösterreicher, der als treuester "Heute"-Leser seinen Wunsch, einmal auf Seite 3 zu posieren, mit nacktem Oberkörper ausleben darf: Fast so schön wie Erwin Pröll.

Roman (38) war aber nicht der einzige Poseur, der diese Woche in "Heute" seine Chance bekam. Die Ehre hatte Toni Faber dem "Standard" zu verdanken, der mit einer Reportage über die karge Zelle des Asketen von St. Stephan das soziale Empfinden im Hause Dichand zum Kochen brachte. Wiens Dompfarrer wohnt himmlisch. Offenes Wohnzimmer, Freitreppe: Und Papst Benedikt XVI. hat die Wohnung gesegnet. Um diesen Mieterschutz werden Hochwürden viele seiner Schäfchen beneiden.

Aber ob das eine gute Idee war?, sorgte man sich bei "Heute". In der "Standard"-Beilage "Open Haus - Luxusimmobilien" gewährte Wiens Dompfarrer Toni Faber nun Einblicke in sein gediegenes Domizil am Stephansplatz. Nicht überraschend, wurde der Anachoret mit Society-Anschluss das Opfer einer Twitter-Gang, die ihn lieber in den Katakomben sähe. Den Gefallen tut er ihr nicht. Im Gegenteil, lässig räkelte er sich auf einem Sofa, dem Fotografen lasziv den sockenfreien rechten Fuß entgegenstreckend. Wo lässt Zehenblitzer und Dompfarrer Toni Faber pediküren?, schoss es Michael Jeannée, dem Hüter vatikanischer Sittenstrenge in der hiesigen Kirchenprovinz, durch den Kopf, ehe er zu einer Strafpredigt ausholte. Sie sind Priester, Herr Anton Faber. Und das sollte bedeuten: Demut und Bescheidenheit. Wenigstens, oder vielmehr unbedingt, nach außen hin ... Sie ridiküler Ösi-Verschnitt des deutschen Protz-Bischofs Tebartz-van Elst.

Solcher sittlichen Entrüstung könnte der Neid der Konkurrenz zugrunde liegen. Sollten die Zehen des Dompfarrers dereinst als Reliquie zu St. Stephan verehrt werden, was nach seiner Heiligsprechung als Märtyrer nur noch eine Frage der Zeit sein kann, hat "Der Standard" nicht nur Immobilien-, sondern auch Kirchengeschichte geschrieben, wo die "Krone" nur Irrlehren predigt.

Phantome sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren. Das beginnt schon bei der Wahl ihrer Waffen, und wenn es sich dabei um einen Schnitzelklopfer handelt, ist zwar klar, dass es sich nur um ein Wiener Phantom handeln kann, aber offen bleibt, ob man Phantom auch über die Materialisierung hinaus bleiben kann. Aber hierzulande ist das egal. ER ist das brutale Phantom, heulte "Österreich" Mittwoch auf, als das Bild aus der Videoüberwachung eines Drogeriemarktes vorlag. Dieses bewies allerdings: Er sieht aus wie ein harmloser alter Suppenkaspar - ist aber brandgefährlich. Brandgefährlich, weil von Schnitzelklopfern enorme Brandgefahr ausgeht. Das Phantom firmierte ferner unter Mager-Senior und Terror-Opa, womit "Österreich" demonstrierte, wie sehr man sich dort um journalistische Genauigkeit bemüht ...

Leider wusste an diesem Tag "Heute" bereits: "Prater-Phantom" in einem Autobus gefasst! Dabei ging es nicht ganz so romantisch zu, wie man sich die Dingfestmachung von Phantomen gewöhnlich vorstellt. Völlig verwirrt stieg jener Mann (88), der drei Frauen attackiert haben soll, gestern in einen Bus in Wien. Der Chauffeur verständigte die Polizei. Die enttäuschende Erscheinung führte unmittelbar zum Entzug des Titels Phantom, auf einmal hieß es der Prügler vom Prater beziehungsweise der gewaltbereite Senior.

Aber nur für einen Tag. Es musste ja noch die unglaubliche Geschichte des Buslenkers eingeholt werden, der den Mann mit dem Klopfer schnappte. Der Lenker erkannte auf Demenz und verständigte die Polizei. Daher: "Ich fasste das Prater-Phantom". (Günter Traxler, DER STANDARD, 10./11.5.2014)

Nachlese
Ein Glaserl Wein und hundert Engerln - Dompfarrer Toni Faber wohnt mit Blick auf den Wiener Stephansdom. Bei Bedarf zieht er einfach das Kunstrollo hinunter

  • Dompfarrer Toni Faber in seiner Dienstwohnung.
    foto: lisi specht

    Dompfarrer Toni Faber in seiner Dienstwohnung.

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