Einkommensverteilung: Die blecherne Mitte

Kommentar9. Mai 2014, 18:01
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Österreich hat traditionelle Hochsteuerländer wie Schweden schon längst überholt

Die Wirtschaftsorganisation OECD warnt Mitglieder vor dem Ausdünnen der Mittelschicht. In einigen Industrienationen würden mittlere Einkommensbezieher von Spitzenverdienern und jenen, die sich über Kapitaleinkünfte freuen können, zunehmend abgehängt.

In Österreich ist die Entwicklung besonders deutlich. Das liegt gerade auch an der weit geöffneten Steuerschere. In den vergangenen Jahren ist die Durchschnittsbelastung der Arbeitnehmer stetig gestiegen. Traditionelle Hochsteuerländer wie Schweden sind längst überholt. Die Schere zwischen den Lohnkosten für einen Arbeitgeber und dem Nettolohn, der im Börsel ankommt, ist nur noch in zwei Ländern der OECD größer. Es wächst nicht nur die Kluft zwischen Brutto und Netto, sondern auch zwischen Österreich und anderen Industrieländern.

Das ist zunächst eine gute Nachricht für den Finanzminister. Er kann sich darauf verlassen, dass die Mittelschicht zunehmend für Budgetlöcher blecht. Doch es wird nicht lange dauern, bis Negativeffekte augenscheinlich werden. Hohe Lohnnebenkosten sind auch ein Standortnachteil. Dieser lässt sich kompensieren, solange andere Rahmenbedingungen passen, etwa ein gutes Forschungsumfeld oder hohe Bildungsstandards. Steuersätze sind allen Unkenrufen zum Trotz nicht der einzige Standortfaktor. Doch wenn auch bei Zukunftsinvestitionen gespart wird, hat die Steuerschere irgendwann nur noch wenig zu schneiden. (Lukas Sustala, DER STANDARD, 10.5.2014)

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