In der nächsten Sekunde kann alles vorbei sein

10. Mai 2014, 17:03
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Die Dokumentation "Der lange Schatten von Tschernobyl" des Fotoreporters Gerd Ludwig

"Bei meinen Aufenthalten in Tschernobyl habe ich viele verzweifelte Menschen getroffen, die bereit waren, ihr Leiden öffentlich zu machen - einzig beseelt von der Hoffnung, Tragödien wie jene zukünftig zu verhindern."

Es ist fast drei Jahrzehnte her, dass das Atomkraftwerk von Tschernobyl explodierte. Bis heute sind die Auswirkungen des Störfalls verheerend. Mehrmals bereiste und dokumentierte Fotoreporter Gerd Ludwig das heute in der Ukraine verortete Umland von Prypjat, hat sich gar - trotz der immensen Strahlenbelastung - ins Zentrum des Reaktors gewagt. "Mich treibt die Verpflichtung, im Namen der stummen Opfer zu handeln, um ihnen mit meinen Bildern eine Stimme zu geben."

Noch viel eindringlicher als die gespenstische Verlassenheit der Städte, der toten Landschaft sind jene Dokumente der Zerstörung, die Menschen betreffen: behindert, verstümmelt, geblendet, erblindet, todkrank, mit Missbildungen, Deformationen, Fehlstellungen, zu Nummern degradiert. Nichts für schwache Nerven und sensible Gemüter. Gleichzeitig stellt die faszinierende Dokumentation in ihrer Tragweite eine gewichtige Konfrontation dar. Beklemmend, berührend, erschütternd - vor allem wachrüttelnd. Ermahnend, jeden Tag sinnvoll zu nutzen ... Carpe diem! (Gregor Auenhammer, DER STANDARD, 10.5.2014)

  • Gerd Ludwig, Michail Gorbatschow: "Der lange Schatten von Tschernobyl". € 75,- / 252 S. Edition Lammerhuber, Baden 2014. Ausstellung im Naturhistorischen Museum Wien, Maria-Theresien-Platz (14. 5. bis 1. 9.)
    foto: edition lammerhuber

    Gerd Ludwig, Michail Gorbatschow: "Der lange Schatten von Tschernobyl". € 75,- / 252 S. Edition Lammerhuber, Baden 2014. Ausstellung im Naturhistorischen Museum Wien, Maria-Theresien-Platz (14. 5. bis 1. 9.)

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