Legendäre Liliputkamera

9. Mai 2014, 17:25
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Oskar Barnacks Erfindung veränderte die Fotografie völlig. Nun feiert Leica 100-Jahr-Jubiläum

Die beste Kamera ist die, die man bei sich hat: Denn was nutzt einem das tollste Gerät, wenn es zu Hause liegt? Direkt auf Platz zwei dürfte Leica liegen: Kein Fotoapparathersteller umgibt ein solcher Mythos, keine Kamera wird so eng mit der goldenen Zeit der Reportagefotografie verbunden, und keine Marke erreicht auf Auktionen solche Spitzenpreise: Ein Exemplar der seltenen Nullserie spielte bei Westlicht (Wien) 2012 stattliche 2,1 Millionen Euro ein.

Das Licht der Welt erblickte Leica vor genau 100 Jahren. Eigentlich wollte Oskar Barnack einen kleinen Fotoapparat entwickeln, weil ihm das Schleppen der Plattenkameraausrüstung bei seinen Ausflügen zu umständlich war. Erst als er bei der Firma Ernst Leitz mit der Konstruktion eines Kinoaufnahme-Apparats beauftragt wurde, entdeckte er die Vorteile des feinen Korns des 35-Millimeter-Kinofilms.

Um das volle Potenzial des Materials zu nutzen, verdoppelte Barnack die für eine einzelne Fotografie genutzte Fläche, und aus 18 mal 24 Millimeter wurden die bis heute gültigen 24 mal 36 Millimeter. Im März 1914 schrieb er schließlich fast beiläufig "Liliputkamera mit Kinofilm fertig" in sein Werkstattbuch. Und das belegt, dass Barnack selbst kaum geahnt haben dürfte, dass seine Erfindung die Fotografie grundlegend verändern sollte.

Denn die Leica ermöglichte eine völlig neue Art des Fotografierens. Sie war klein, leicht und leise. Das Kleinbildformat machte den Fotografen für seine Umwelt beinahe unsichtbar, und er konnte schneller auf Situationen reagieren. Der Schnappschuss wurde durch sie genauso möglich wie das Festhalten des vielbeschworenen "entscheidenden Augenblicks".

Leica erfand zwar nicht den Fotojournalismus, ermöglichte jedoch die Reportagefotografie, wie wir sie heute kennen, und läutete das Zeitalter der großen Illustrierten mit den ausführlichen Bildstrecken ein: 1936 wurde das Life-Magazin gegründet, 1947 die Fotografenagentur Magnum, von denen zahlreiche Mitglieder wie Henri Cartier-Bresson, Robert Capa, Elliott Erwitt oder Thomas Höpker mit Leica gearbeitet haben - oder noch immer arbeiten.

Zum Jubiläum veranstaltet WestLicht am 23. Mai eine große Leica-Auktion im neuen Leitz-Park im deutschen Wetzlar.

100 Fotografie-Lose berühmter Leica-Fotografen wie Marc Riboud, René Burri und Inge Morath werden genauso angeboten wie 100 seltene Schätze aus der Firmengeschichte: beispielsweise die seltene Leica II "Mod. D Luxus" oder die Leica 2500GG mit Leica-Motor MOOEV (Startpreis jeweils 120.000 Euro). (Damian Zimmermann, Album, DER STANDARD, 10./11.5.2014)

  • Die erste Kleinbildkamera der Welt, die Ur-Leica von 1914.
    foto: leica camera ag

    Die erste Kleinbildkamera der Welt, die Ur-Leica von 1914.

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