Persönliche Gespräche kaufentscheidend

9. Mai 2014, 17:00
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Aktuelle Umfrage belegt: Galerien mit Abstand beliebtester Ort des Kunstkaufs bei Sammlern

Köln - Der Verbindung zwischen dem Medium Internet als New und dem Kunstmarkt als Old Economy war unendlich viel vorausgesagt worden. Etwa die komplette Verlagerung des Handels in den virtuellen Raum - ein Szenario, das sich selbst 25 Jahre nach der Erfindung des World Wide Web nicht bewahrheiten sollte. Im Gegenteil, manch ambitioniertes Projekt musste schneller zu Grabe getragen werden, als es Initiatoren und Beteiligten lieb sein konnte.

Mal scheiterten solche Online-Experimente am Transaktionsvolumen, dann wieder an technischen Hürden. Sowohl im Auktionsbusiness als auch bei Kunsthändlern und Galeristen machte sich Ernüchterung breit. Schlicht, weil der Aufwand meist in keinem Verhältnis zum wirtschaftlichen Output stand. Das Fazit: Als Informations- bzw. Präsentationsplattform hat sich das Internet bewährt, für Geschäftsabschlüsse bedarf es jedoch einer realen Anbindung, wie aktuelle Studien belegen. Die jährlich im Zuge der Tefaf (The European Fine Art Fair, Maastricht) veröffentlichte Analyse zur Situation am globalen Kunstmarkt beziffert den weltweit von Galerien ermittelten Umsatzanteil aus dem Online-Geschäft mit marginalen fünf Prozent. 50 Prozent des Umsatzes werden dagegen in den Galerien und 33 Prozent über Messen erwirtschaftet.

Ob und in welcher Form das digitale Zeitalter die Gewohnheiten von Kunstsammlern veränderte, brachte jüngst der auf diese Klientel spezialisierte Kunstversicherer Axa Art in einer Kundenumfrage in Erfahrung. Mit durchaus überraschendem Ergebnis: weniger, weil der typische Kunstsammler männlich, meist zwischen 40 und 69, oft Akademiker oder Unternehmer ist. Auch erstaunt nicht, dass Gemälde (89 Prozent) vor Arbeiten auf Papier (63 Prozent) und Skulptur (60 Prozent) die Beliebtheitsliste der Sammlungsobjekte anführen und das zentrale Motiv mehrheitlich ein emotionales ist.

Bemerkenswert ist vielmehr, wie und vor allem wo Kaufentscheidungen getroffen werden, um sich den Wunsch ("sich mit schönen Dingen zu umgeben und sie zu besitzen", 80 Prozent) zu erfüllen. Denn Information spielt bei(m) Kunst(kauf) eine deutlich stärkere Rolle als in anderen Branchen, wobei man sich meist mehrerer Quellen bedient.

75 Prozent der Befragten nannten Messen und Ausstellung als sehr wichtige bzw. wichtige Informationsquellen, 51 Prozent nutzen auch das Internet. Obwohl bei Mehrfachnennung Printmedien, Fachzeitschriften und Bücher (58 Prozent) eine wesentliche Rolle spielen, hat der persönliche Austausch in Gesprächen mit Galeristen (62 Prozent) und Künstlern (56 Prozent) absolute Priorität.

Abseits des Kunstmesse-Zirkus und Atelierbesuchen ist die traditionelle Galerie der mit Abstand beliebteste Ort des Kunstkaufs (73 Prozent) geblieben, selbst wenn gelegentlich auch anderswo zugeschlagen wird (siehe Grafik).

Das Internet dient hauptsächlich zur gezielten Suche nach Kunstobjekten und der Kaufanbahnung. 34 Prozent der befragten Sammler gaben an, bereits online Werke erworben zu haben. Für stattliche 42 Prozent kommt dies allerdings nicht infrage: Sie können sich "überhaupt nicht vorstellen", Kunst im Internet zu kaufen. (Olga Kronsteiner, Spezial, DER STANDARD, 10./11.5.2014)


Dieser Artikel entstand mit finanzieller Unterstützung des Verbands Österreichischer Galerien Moderner Kunst. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim STANDARD.

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