Indiskrete Sanierungen laufen besser

9. Mai 2014, 17:30
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Studie: Außergerichtliche Verfahren bieten bessere Überlebenschancen

Wien - Unternehmen, denen die Luft auszugehen droht, haben bessere Chancen zu überleben, wenn ihre Sanierung nicht vor Gericht abgehandelt wird. Die Erfolgsquote bei außergerichtlichen Sanierungsverfahren liege bei 61 Prozent, ausschlaggebende Faktoren fürs Gelingen der Rettung seien finanzielle Beiträge der Gesellschafter und Neukredite von den Hausbanken.

Zu diesem Ergebnis gelangt das Institut für Controlling & Consulting der Linzer Johannes-Kepler-Universität, das eine empirische Untersuchung zum Thema außergerichtliche Unternehmenssanierung angestellt hat. Beauftragt hat diese der Verein Return, der sich mit Restrukturierung und Sanierung beschäftigt und den Banken, Anwälte und Manager angehören.

Vorgestellt hat die Arbeit der Linzer Assistenzprofessor Stefan Mayr am Mittwoch auf Einladung von Erste Group, Raiffeisen, Bank Austria und ÖVAG vor Journalisten in Wien; dabei waren die "Workout-Manager" dieser Häuser, also die Sanierungsexperten.

Untersucht wurden die Daten von 920 Unternehmen, die zwischen 2011 und Mitte 2013 in den Sanierungsabteilungen der genannten Banken betreut wurden; im Schnitt hatten sie 9,5 Mio. Euro Schulden bei ihrer Hausbank. Insgesamt betrugen ihre Verbindlichkeiten fast neun Milliarden Euro.

Die außergerichtlichen Sanierungen nehmen zwar mehr Zeit in Anspruch (560 Tage bei den gelungenen, 363 Tage bei den misslungenen), so Mayr, aus den wesentlich kürzeren Verfahren vor den Insolvenzgerichten würden freilich "sehr, sehr selten" nachhaltige Sanierungen entstehen.

Schlechte Karten für Kleine

Am besten stehen die Erfolgsaussichten laut der Studie bei Unternehmen mit mehr als zehn Mio. Euro Umsatz, den kleineren schade das Fehlen von Strukturen. Und: Zwar laufen die meisten außergerichtlichen Sanierungen "diskret" ab (81 Prozent) - erfolgreicher sind sie aber, wenn die Öffentlichkeit Bescheid weiß. Was am häufigsten bei angeschlagenen großen Unternehmen der Fall sei.

Der zentrale Faktor für eine geglückte Sanierung ist laut der Untersuchung aber der finanzielle Beitrag der Gesellschafter - der Schuldennachlass der Hausbank spiele dagegen eine kleinere Rolle, "was mich selbst überrascht", so Mayr. In Zahlen aus der Studie: Nur in einem Fünftel der erfolgreich sanierten Unternehmen hat die Bank auf Geld verzichtet. Neue Kredite seien dagegen sehr wichtig. "Es geht bei Sanierungen nicht um die große Entschuldung, sondern um frisches Geld", fasste das einer der Banker zusammen.

In der Praxis schließen die Banken Stillhaltevereinbarungen (" Stand-Stills"); dafür müssen sie allerdings miteinander handelseins werden. Genau das hat beim Baukonzern Alpine nicht geklappt. Einer der Banker selbstkritisch: "Die Vereinbarung hat zu lange gedauert; beim Stand-Still sind wir an uns selbst gescheitert." Die Alpine wurde zum größten Pleitefall der 2. Republik. (gra, DER STANDARD, 10.5.2014)

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