Simon erste Professorin für Gesundheitsökonomie an Medizin-Uni Wien

9. Mai 2014, 14:45
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Judit Simon arbeitete an Universität Oxford

Wien - Die Medizinesche Universität Wien hat einen Schritte gesetzt, um die Gesundheitsökonomie nicht mehr nur den Wirtschaftsfachleuten zu überlassen. Mit der gebürtigen Ungarin Judit Simon hielt am Freitag die erste Professorin für diesen Bereich an einer österreichischen Medizin-Universität im AKH ihre Antrittsvorlesung. Die Abteilung am Zentrum für Public Health gibt es seit November vergangenen Jahres.

"Das Durchschauen des österreichischen Gesundheitssystems ist noch immer eine Herausforderung", bekannte das jüngste Mitglied des Professorenkollegiums der MedUni Wien freimütig. Judit Simon hat - so die Leiterin des Public Health Zentrums, Anita Rieder - im Jahr 2000 in Szeged ihr Medizinstudium absolviert, ging dann an die Universität von York in Großbritannien für eine wirtschaftswissenschaftliche Ausbildung und arbeitete in den vergangenen Jahren als Gesundheitsökonomie-Forscherin an der Universität Oxford, dort zum Beispiel in der Versorgungsforschung für Menschen mit psychischen Erkrankungen.

Neuland für MedUnis

Für die österreichischen MedUnis ist die Gesundheitsökonomie ein neues Feld. Bisher überließ man es in Österreich den reinen Ökonomen, auch zum Teil Instituten mit manchmal einer zumindest gewissen Abhängigkeit von Interessensgruppen oder Finanzierern. Die Kombination von Medizin- und Ökonomieexpertise fand sich bisher auf der Ebene der Medizinuniversitäten nicht.

"Wenn man es nicht einfach erklären kann, hat man's nicht ausreichend verstanden", zitierte Judit Simon am Freitag als Motto Albert Einstein. Sie setzte sich in ihrer Antrittsvorlesung vor allem mit den Fragen "Was beeinflusst Gesundheit?", "Was ist Gesundheit?" und dem Messen von ökonomischen Einflussfaktoren und der Effizienz von Investitionen auseinander.

Klar ist für die Wissenschafterin, dass hohe Investitionen in das Gesundheitswesen nicht unbedingt bessere Resultate bringen. So zeigte Simon, dass die Lebenserwartung der US-Bevölkerung bei einem Anteil der Gesundheitsausgaben am Bruttoinlandsprodukt von fast 18 Prozent und Pro-Kopf-Ausgaben von jährlich rund 9.000 US-Dollar bei jener der tschechischen Bevölkerung und nur etwa 3.000 US-Dollar Gesundheitsausgaben pro Kopf liegt. Die in Österreich im Vergleich zu Großbritannien etwas höheren Gesundheitsausgaben haben bisher für Lebenserwartung kaum etwas gebracht. Allerdings gab es gerade in der jüngeren Vergangenheit vermehrt unabhängige wissenschaftliche Studien, wonach die Versorgung großer Patientengruppen in Großbritannien (z.B. Krebs und akuter Herzinfarkt) deutlich schlechter in als vergleichbaren europäischen Staaten ist.

Kosten für Arzneimittel steigen

Einfache und nur plausible Beobachtungen erklären laut der Wissenschafterin viele Phänomene im Gesundheitswesen nur unzureichend. Dass die Kosten für Arzneimittel steigen, sei nicht verwunderlich: "Im Jahr 1975 betrugen die Kosten für ein neu entwickeltes Medikament weniger als 200 Millionen US-Dollar, 2006 waren es rund 1,3 Milliarden US-Dollar."

Bei einem Anteil der chronischen und nicht übertragbaren Erkrankungen von drei Viertel an der Krankheitsbelastung der Menschen im 21. Jahrhundert - diese Erkrankungen können zu 80 Prozent verhindert werden - müsse man eine Veränderung in Richtung Prävention in Gang bringen. "In Österreich hat sich da in den vergangenen Jahren nichts verändert." Das Gesundheitswesen sei durch Fragmentierung und Spitalslastigkeit gekennzeichnet. (APA, 9.5.2014)

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