Es ist schwer, einen gestrandeten Wal einzuschläfern

9. Mai 2014, 14:38
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Experte berichtet im Magazin "Slate" von der Suche nach einer humanen Tötungsart - Sprengung hält er nicht für die schlechteste Methode


Ein Bild, das um die Welt ging: Ein toter Blauwal beginnt sich aufzublähen.

Ottawa - Zwei Meldungen über gestrandete Wale sorgten in den vergangenen Wochen für Aufsehen. Zum einen ging es um einen von mehreren toten Blauwalen, die an die Küste Neufundlands gespült worden waren. Der 24 Meter lange Kadaver des Tiers blähte sich durch die Faulgase immer weiter auf - die Bewohner eines in unmittelbarer Nähe gelegenen Fischerdorfs befürchteten eine Explosion und klagten darüber, von den Behörden keine Hilfe zu erhalten (mittlerweile haben Mitarbeiter des Royal Ontario Museum damit begonnen, den Kadaver zu zerlegen und abzutransportieren).

Im zweiten Fall ging es um einen ebenfalls in Neufundland gestrandeten Pottwal: Auch hier fühlten sich die Anrainer mit dem verrottenden Tier allein gelassen und versuchten es in ihrer Ratlosigkeit auf eBay zu versteigern - was von dem Online-Auktionshaus aber untersagt wurde. Beide Fälle zeigen, dass es erhebliche logistische Probleme bereitet, wenn man sich plötzlich mit einem dutzende Meter langen und viele Tonnen schweren Kadaver konfrontiert sieht.


Südafrika 2005: Ein gestrandeter Südkaper wird durch Sprengung getötet.

Da sich Berichte über Walstrandungen in der Regel um heroische - und leider oft vergebliche - Rettungsbemühungen drehen, stachen diese beiden Ereignisse heraus. Insbesondere die Assoziation von "Wal" und "Explosion" regte offenbar die Fantasie an: Videos von zur Explosion gebrachten Walen verbreiteten sich viral im Netz, moralische Empörung über die Schaulust folgte auf dem Fuß.

Mag leicht sein, dass dabei niedere Instinkte angesprochen wurden. Ganz nüchtern muss man allerdings auch festhalten, dass diese Sensationslust den toten Wal sicher weniger gestört hat als selbst der allersanfteste Whalewatching-Tourismus zu seinen Lebzeiten. Viel wichtiger ist ohnehin eine andere ethische Frage: Was tut man mit einem gestrandeten Großwal, der noch lebt, bei dem aber keine Chance mehr besteht, ihn zurück ins Meer zu schaffen? Ein riesiges und hochempfindsames Tier, das über Stunden und Tage hinweg unter seinem eigenen Gewicht erstickt und von der Sonne verbrannt wird - was ist die humanste Art, es zu töten?


Korrekt durchgeführt, ist die Sprengung eine gnädig schnelle und überraschend saubere Tötungsmethode.

Der US-amerikanische Blogger Jason Bittel ist dieser Frage im Online-Magazin "Slate" nachgegangen. Er lässt Craig Harms, einen Experten für Tiemedizin, berichten, wie sanfte Tötungsmethoden oft nicht funktionieren, weil die erforderlichen Betäubungsmittel einfach nicht in ausreichender Menge zur Verfügung stehen. Gift kann auch deshalb Probleme bereiten, weil sich - eine weitere Qual für das verendende Tier - Aasfresser wie Möwen über den noch lebenden Wal hermachen und dabei das Gift aufnehmen würden.

Wegen fehlender Mittel oder zu langer Transportzeiten für die notwendige Ausrüstung ist eine Rettung oft nicht möglich - weshalb Länder wie Australien oder Südafrika in der Vergangenheit bereits zu einem vermeintlich drastischen Mittel gegriffen haben: nämlich den Wal mit Sprengstoff zu töten. Eine Methode, die laut Harms trotz des absehbaren öffentlichen Echos, das sie auslöst, nicht die schlechteste ist.

--> Slate: "The Humane New Way to Kill a Whale"

(jdo, derStandard.at, 9. 5. 2014)

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