Experte: Pistorius-Opfer war auf der Toilette bekleidet

9. Mai 2014, 17:41
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Auch Aussage eines Schussexperten hat kein klares Bild von der Tatnacht erbracht

Johannesburg - Auch die Aussage eines Schussexperten hat im Mordprozess gegen Oscar Pistorius kein klares Bild von der Tatnacht erbracht. Der Ballistiker Thomas Wolmarans, der die Geschossbahn analysierte, nannte am Freitag Aspekte, die sowohl gegen, als auch für die Schuld des Angeklagten sprechen könnten.

Der doppelt beinamputierte Sportler habe keine Prothesen getragen, als er die tödlichen Schüsse auf seine Freundin Reeva Steenkamp abgab, erläuterte Wolmarans vor Gericht im südafrikanischen Pretoria. Damit untermauerte der Experte, dessen Aussage auf einer Analyse der Schussspuren an der Toilettentür basiert, die Argumentation des Angeklagten und eines Forensikers. Wenn Pistorius Prothesen getragen hätte, könnte das darauf hindeuten, dass er Zeit hatte, sie anzulegen - er also mit Vorsatz handelte.

Der Ballistiker erläuterte aber auch, dass Steenkamp völlig bekleidet war, als ihr Freund sie erschoss. Sie sei nicht auf der Toilette gesessen, als Pistorius durch die Klotür schoss. Sofern Steenkamp hinter der Tür stand, könnte das bedeuten, dass sie mit Pistorius sprach - und der wusste, dass sie dahinter war.

Haus verkauft

Pistorius gibt an, er sei in der Tatnacht zum Valentinstag 2013 auf Beinstümpfen in Panik ins Bad geeilt und habe durch die verschlossene Toilettentür geschossen, weil er dort einen Einbrecher vermutete. Die Staatsanwaltschaft hatte zumindest früher behauptet, der Angeklagte habe seine Prothesen zuvor angelegt. Damit hatte sie dem 27-Jährigen ein überlegtes Handeln unterstellt - und die Mordthese gestützt.

Pistorius hat unterdessen sein Haus verkauft, in dem er Reeva Steenkamp erschossen hatte. "Wir haben einen Käufer, die Eigentumsrechte werden bereits übertragen", sagte Maklerin Ansie Louw am Freitag. Wer der neue Besitzer ist und für welchen Preis er die Villa in Pretoria erworben hat, sagte Louw, die Frau von Pistorius' Trainer Ampie Louw, nicht. Mit dem Erlös aus dem Verkauf will der 27-Jährige die explodierenden Kosten seines Gerichtsverfahrens abdecken.

Dem Südafrikaner wurden im Alter von elf Monaten beide Beine unterhalb des Knies amputiert. Mit Prothesen startete der Sprinter 2012 als erster beinamputierter Sportler bei den Olympischen Spielen. (APA, 9.5.2014)

  • Vor Gericht soll ein Laser den Weg der Kugeln demonstrieren.
    foto: epa/herman verwey

    Vor Gericht soll ein Laser den Weg der Kugeln demonstrieren.

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