Ernst Strasser entzweit die Grünen

9. Mai 2014, 16:09
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In ihrem Wahlkampffinish ist die Partei mit sich selbst beschäftigt: Intern mehren sich die Stimmen, die die Sujets mit dem ehemaligen Erzfeind von der ÖVP kritisieren

Wien - Derzeit sind die Grünen mit ihren Wahlkampfpannen stark beschäftigt: Angesichts der Aufregung rund um Jungspund Cengiz Kulac schickte Oliver Korschil, Kommunikationschef der Partei, am Freitag an die Funktionäre eine interne E-Mail für ein einheitliches Wording zur Causa aus. Zentrale Botschaft: "Wir haben folgende Info zur Verwendung auf allen Kanälen: (...) Auftrittsverbote widersprechen der grünen Diskussionskultur. Ein solches wurde gegenüber Cengiz nicht ausgesprochen."

Wie berichtet, hat der Chef der grünen Jugend das Magazin Eva für Jungwähler als Beispiel dafür genannt, dass die Parteienförderung gekürzt gehört - worauf ihm die steirische Landespartei ein Auftrittsverbot bei Schülerdiskussionen erteilte. Dazu verteidigte Landesgeschäftsführer Dietmar Seiler dieses Vorgehen.

Mittlerweile ist das Auftrittsverbot für Kulac Geschichte, nächste Woche soll er an einer Debatte in Kapfenberg oder in Mürzzuschlag teilnehmen, wie ihm Seiler nun per E-Mail offeriert, die dem STANDARD vorliegt.

Doch nicht alle bei den Grünen tun den Vorfall - wie Peter Pilz - als "dicke grüne Ente" ab. Sigrid Maurer, Abgeordnete und Endzwanzigerin, fand die Vorgangsweise bei Kulac "nicht schön", sie plädiert "für mehr Gelassenheit" - und ist vom "Eva"-Heftl "auch alles andere als begeistert". Darin finden sich unter anderem auch Headlines wie "So schmust Europa" oder Tipps für coole Strandmode. Zu dem umstrittenen Plakat mit dem ehemaligen ÖVP-EU-Delegationsleiter Ernst Strasser im Gerichtssaal (" Menschen sind wichtiger als Lobbys") meint Maurer knapp, aber vielsagend: "Mir gefällt die Plakatkampagne der Europäischen Grünen besser. Ihre Sujets sind cooler."

Nein zu Dirty Campaigning

Dass die Grünen mit dem nicht rechtskräftig verurteilten Strasser affichieren, sorgt auf Twitter weiterhin für heftige Kritik. Auf der Plattform tut der grüne Ex-Bundesgeschäftsführer Pius Stobl kund, zu überlegen, die Partei "nach 28 Jahren Treue" nicht mehr zu wählen - wegen der "unwürdigen Strasser-Hetze".

 

Auch der grüne Bundesrat Efgani Dönmez sagt im STANDARD-Gespräch: "Ich persönlich finde das Plakat nicht gut - und ich bin auch überzeugt davon, dass dieses Bad Campaigning nicht gut ankommt." Der grüne Korruptionsjäger Pilz erklärt: "Ich habe ein bisschen ein Problem damit, dass man jemanden kurz vor Haftantritt so plakatiert, jemanden, der seine eigene Existenz politisch und sozial schon zerstört hat. Ich finde, dabei sollte man es einfach belassen." Schelmischer Nachsatz: "Ich hätte lieber Alfons Mensdorff-Pouilly plakatiert!" Hintergrund: Im Jänner bestätigte das Oberlandesgericht Wien den Freispruch für den ÖVP-Rüstungslobbyisten vom Vorwurf der Geldwäscherei.

Und auch Jakob Schwarz, Ex-Sprecher der Europäischen Jungen Grünen, nun Listensechster für die EU-Wahl, hat Bauchweh bei den Strasser-Sujets. Natürlich sei es notwendig, Korruption als brisantes Thema in Europa zu thematisieren, aber: "Das sollte nicht zur Regel werden. Auf Dauer sollen sich die Grünen nicht auf einen solchen Stil einlassen." (Walter Müller, Nina Weißensteiner, DER STANDARD, 10.5.2014)

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    foto: apa/grüne/schlager
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