Putin feiert seinen Tag des Sieges auf der Krim

Ansichtssache9. Mai 2014, 20:46
209 Postings

Die russischen Fernsehzuschauer konnten am Freitagnachmittag einen sichtlich zufriedenen Putin bewundern, der in der Bucht von Sewastopol an der Reling eines Militärkutters stehend mächtige Kriegsschiffe an sich vorbeiziehen und eine gewaltige Luftflotte über sich hinwegdonnern ließ. Das Lächeln auf den Lippen verriet, dass der Kremlchef mit der Abnahme der Militärparade auf der Krim zum Tag des Sieges auch einen persönlichen Triumph feierte.

"Ich bin froh, an diesem heiligen Tag hier in der Heldenstadt Sewastopol zu sein und mit Ihnen gemeinsam den wichtigsten Feiertag unseres Landes zu begehen", wandte er sich dann auch in seiner Ansprache nach der Parade an die Bewohner der Stadt.

Für Sewastopol hat dieser Tag tatsächlich eine doppelte Bedeutung: Neben dem 69. Jahrestag des Kriegsendes wird dort zugleich auch der 70. Jahrestag der Stadtbefreiung von den deutschen Okkupanten begangen. Und auch das heurige Jahr 2014 gilt nach russischem Verständnis als Jahr der Befreiung für die Krim - wie Putin in seiner Rede sehr deutlich machte.

Die politische Führung der Ukraine sieht das naturgemäß anders: Das Außenministerium in Kiew protestierte scharf gegen Putins Besuch auf der Halbinsel. "Diese Provokation zeigt noch einmal, dass Russland bewusst auf eine weitere Eskalation der ukrainisch-russischen Beziehungen setzt und die problembehafteten Fragen der bilateralen Beziehungen nicht auf diplomatischem Weg lösen will", heißt es in der Erklärung des Ministeriums.

Roter Mohn als Symbol

Der "Tag des Sieges" über den Hitlerfaschismus ist kein Bindeglied mehr zwischen den beiden Nachbarn. Das einst als Symbol für den Sieg geltende St.-Georgs-Band ist inzwischen Erkennungszeichen prorussischer Aktivisten, die sich von der Ukraine abtrennen wollen, und wurde daher in Kiew durch roten Mohn - als Illustration von Blut - und der Aufschrift "1939-1945: Nie wieder Krieg" ersetzt.

Nie war die Warnung in der Ukraine aktueller als heute: Zwar wurde in Kiew aus Angst vor Provokationen auf das Auffahren von Militärgerät verzichtet, dafür sind ukrainische Truppen im Osten des Landes im Einsatz. In der Großstadt Mariupol kam es am Freitag zu heftigen Gefechten zwischen Aufständischen und Sicherheitsorganen. Dabei gingen die Gebäude der Stadt- und Polizeiverwaltung in Flammen auf. Nach Angaben der regionalen Behörden gab es drei Tote und 25 Verletzte, darunter auch Zivilisten. Innenminister Arsen Awakow verkündete hingegen den Tod von 20 separatistischen Kämpfern.

Am Sonntag wollen die prorussischen Kräfte in Donezk und Lugansk ein Referendum über die Abspaltung abhalten. Immerhin verspricht einer der Aktivisten, dass anschließend eine Entwaffnung stattfinden werde. Der ukrainische Premier Arseni Jazenjuk hat seinerseits für 14. Mai zu einem runden Tisch über die Zukunft des Landes gerufen.(André Ballin aus Moskau, DER STANDARD, 10.5.2014)

 (Video: Storyful, YouTube, Kreml)

foto: reuters/sergei karpukhin
1
foto: reuters/grigory dukor
2
foto: reuters/grigory dukor
3
foto: reuters/grigory dukor
4
foto: reuters/grigory dukor
5
foto: reuters/maxim shemetov
6
foto: reuters/maxim shemetov

In Sewastopol zeigten die Kunstflugstaffeln "Strizhi" und "Russian Knights" ihr Können

7
foto: ap photo/ivan sekretarev
8
Share if you care.