Konflikt im Iran: Verrutschtes Kopftuch

Kommentar8. Mai 2014, 19:04
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Demonstration in Teheran war eigentlich Aktion gegen Präsident Hassan Rohani

Im Iran findet ein ausgewachsener Kulturkampf statt: zwischen jenen, die das Land in einer permanenten antiwestlichen Zwangsrevolution halten wollen, und den anderen, die pragmatische Auswege suchen. Das ist im Grunde ein politischer Konflikt - es geht dabei ja auch um das iranische Verhältnis zur internationalen Gemeinschaft. Aber sein Schlachtfeld ist das tägliche Leben der Iraner und noch mehr der Iranerinnen, deren Kopfbedeckungen als das einzige sichtbar Islamische an der Islamischen Republik ein wichtiger Marker sind.

In diesem Kontext steht eine Demonstration in Teheran gegen die laxe Einhaltung der Kleidungsregeln. In Wahrheit war es eine Aktion gegen Präsident Hassan Rohani, der die Polizei zur Milde auffordert - junge Frauen, die das Kopftuchgebot täglich durch ihre schicken knappen Foulards unterlaufen, gehören zu seiner politischen Klientel. Rohani stellte sich auch gegen ein WhatsApp-Verbot.

Außerdem hielt er eine Rede, in der er kämpferisch ankündigte, dass er gegen alle Widerstände einen Nukleardeal durchzuziehen gedenke. Sein Atom-Chefverhandler, Außenminister Javad Zarif, dient den Hardlinern noch mehr als Prellbock. Er ist durch seine täglichen Kontakte zum Westen besonders exponiert. Sein eigenes verrutschtes Kopftuch besteht etwa darin, dass er beim Holocaust-Leugnungsunsinn - über den die allermeisten Iraner ohnehin nur den Kopf schütteln - nicht mittut. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 9.5.2014)

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