Alibaba-Gründer: Vom Englischlehrer zum Milliardär

Kopf des Tages8. Mai 2014, 18:22
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Jack Ma lebt den chinesischen Traum

Benannt hat Jack Ma seine Firma nach der Geschichte von Alibaba und den 40 Räubern: Mit seinem Sesam-öffne-dich hat er die Schatzkiste der Zukunft geknackt. Seit der Chinese für seinen Internetkonzern seine hochfliegenden Börsenpläne an der Wall Street enthüllt hat, sind auch westliche Investoren zunehmend bereit, an Mas Märchen zu glauben.

Der im November 1964 in Hangzhou südwestlich von Schanghai geborene Sohn eines Schausteller-Ehepaars verkörpert die chinesische Version des amerikanischen Vom-Tellerwäscher-zum-Milliardär-Traums. Als zwölfjähriger Bub schnappte er von amerikanischen Touristen ein paar Wörter auf. Die englische Sprache soll ihn so fasziniert haben, dass er sie sich selbst beigebracht haben soll. 1988 schloss er die Prüfung zum Englischlehrer ab und arbeitete für rund 15 Dollar monatlich als Pädagoge, später auch als Übersetzer. Und so erhielt er 1995 den Auftrag einer chinesischen Firma, nach Los Angeles zu reisen - um dort Geld einzutreiben.

Kein Bier

Dort sah Ma, inzwischen 31 Jahre alt, zum ersten Mal einen Computer mit Internetanschluss. Er tippte "beer" und "china" ein und fand - nichts. Ma dämmerte, dass das Internet in China enorme Geschäftsmöglichkeiten bieten könnte. Zurück in seiner Heimat startete er das Online-Verzeichnis China-Pages, eine der ersten Webseiten des Landes. 1999 dann die Handelsplattform Alibaba, die zunächst chinesische Hersteller mit westlichen Käufern verband.

Heute umfasst die Alibaba-Gruppe, an der auch Yahoo beteiligt ist, 80 Prozent des chinesischen Onlinehandels, verfügt über eigene Zahlungs- und Nachrichtendienste. Aus den einst 40 Mitarbeitern sind zwischen 25.000 geworden, die mehr als 160 Milliarden Dollar umsetzen.

Leicht aber schwer

Der geschätzt 1,50 Meter große und 50 Kilogramm leichte Multimilliardär hat zur Erreichung seiner Ziele stets vor der autoritären chinesischen Regierung gebuckelt. Er zeigt Verständnis für das Tiananmen-Massaker von 1989 und billigt die Internetzensur.

Westlicher Exzentrik ist der Unternehmer, dessen Privatvermögen auf mindestens zehn Milliarden Dollar geschätzt wird, dennoch nicht abgeneigt. Bei vielen Anlässen verkleidet er sich gern, sei es als Arnold Schwarzenegger oder Lady Gaga, auch Federkleider und Kung-Fu-Kostüme finden sich in seinem Schrank. Mit seiner Frau Cathy Zhang und den beiden Kindern hingegen soll Chinas Internetkaiser ein biederes Leben führen. (Karin Tzschentke, DER STANDARD, 9.5.2014)

  •  Jack Ma mag Lady Gaga und Federkleider
    foto: ap/cheung

     Jack Ma mag Lady Gaga und Federkleider

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