Zentralmatura: Eine Peinlichkeit jagt die andere

Kommentar der anderen8. Mai 2014, 18:12
101 Postings

Die Diskussion über den "Cutscore" passt ins Bild der Bifie-Pannen

Auch wenn die öffentlich gewordenen Daten von Schülern und Lehrern das Ereignis waren, das das Bifie im Februar österreichweit bekanntgemacht hat, war dieses Missgeschick nicht das einzige oder auch nur das schlimmste in einer Reihe von Pannen der letzten Jahre. Allein bei der Englisch-Matura, die seit 2009 teilzentralisiert abläuft, jagt eine Peinlichkeit die andere.

Vor drei Jahren musste bei einer Schule in Niederösterreich die Englisch-Matura unterbrochen werden, weil sich herausstellte, dass ein Teil der Kandidaten die falschen Fragen zur Hörverständnisübung erhalten hatte. 2013 enthielt die Angabe zur Englisch-Matura einen schweren Grammatikfehler, der irreführend war: Das Wissen um den Unterschied zwischen "people" (Leute) und "peoples" (Völker) wird auf Maturaniveau an sich vorausgesetzt. Und ausgerechnet eine Bifie-Fragestellung bei den Schreibaufgaben verwechselte diese beiden Formen und verunsicherte Schüler.

Erhöhter "Cutscore"

Die heurige Überraschung passt ins Bild: Nachdem seit Jahren darüber diskutiert wurde, ob der "Cutscore", also die Marke, ab der eine Arbeit positiv ist, 50 oder 60 Prozent betragen soll, und man sich inzwischen auf 60 Prozent geeinigt hat, sind die aktuellen Berechnungstabellen so gestaltet, dass erst ab 63 Prozent der Punkte eine positive Benotung möglich ist. Das Bifie erklärt das mit "statistischen Gründen" bzw. damit, dass die Aufgabenstellung teilweise zu leicht war, was durch den erhöhten Cutscore ausgeglichen werden solle.

Welcher Schluss lässt sich aus diesen Pannen, die vor allem für die Betroffenen sehr unangenehm sind, ziehen? Vielleicht wäre es für alle Beteiligten doch besser gewesen, wenn sich das Ministerium an seinen eigenen Erlass von 2008 gehalten hätte, gemäß dem die Zentralmatura frühestens im Jahr 2016 stattfinden darf. Aber vermutlich ist dieser Erlass durch ein Datenleck in Verstoß geraten. (Christian Goldstern, DER STANDARD, 9.5.2014)

CHRISTIAN GOLDSTERN ist Englischlehrer an einer Wiener AHS.

Share if you care.