Den Bundestheatern droht eine Kündigungswelle

8. Mai 2014, 17:33
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Die Situation der Bundestheater hat sich auch aufgrund der Finanzmisere des Burgtheaters verschärft

Wien - Sparen mache schlank, sagte Georg Springer, der Chef der Bundestheaterholding, bei seiner Bilanzpressekonferenz. Und das sei gut. Sparen könne aber auch krankmachen. Diese Phase scheint nun erreicht zu sein: Wie der STANDARD gerüchteweise erfuhr, stehen bei der Theaterservicegesellschaft Art for Art bis zu 50 Kündigungen an. Geschäftsführer Josef Kirchberger beteuert, dass die Zahl noch nicht feststehe. Er befürchtet aber eine Reduktion um zumindest 30 Arbeitsplätze. Die Burgtheaterkrise hat nun fast den gesamten Konzern erfasst.

Beteiligt an der Servicegesellschaft mit den Kostüm- und Dekorationswerkstätten sind neben der Holding auch die drei Bühnen, also das Burgtheater sowie die Volks- und die Staatsoper. Es sollte daher im Interesse der Häuser sein, die Werkstätten auszulasten. Doch man fährt die Zahl der Produktionen zurück und spart bei den Ausstattungen ein: "Die Nachfrage des Burgtheaters ist mit einem Schlag in sich zusammengebrochen", so Kirchberger, "und die Staatsoper überlegt eine Rücknahme des Volumens." Hinzu kommt, dass die Holding das Instandhaltungsbudget für die Aufrechterhaltung der historischen Gebäude von 5,2 auf 1,7 Millionen reduziert hat - was sich auf die für die Immobilien zuständige Servicegesellschaft auswirkt. Es wird daher bei Art for Art, bisher die Cashcow, massive "Rationalisierungsschritte" geben müssen.

Auch insgesamt sieht die Situation trist aus. Im Jahr 2013 wurde die Basisabgeltung für die Bundestheater zwar um 4,5 Millionen Euro auf insgesamt 148,9 Millionen angehoben, für die Jahre 2015 und 2016 seien aber keine zusätzlichen Mittel zu erwarten. Der Bedarf steigt jedoch aufgrund der hohen Personalkosten: Die drei Bühnengesellschaften prognostizieren ein Defizit von 16,9 Millionen Euro in der Saison 2014/15. Springer kommt bei "rigider Planung" auf nur 12,5 Millionen Euro.

Doch auch diese Summe, über die mit den Häusern noch keine Einigung erzielt wurde, muss finanziert werden. Das gehe nur mit dem Verkauf von Immobilien, also dem Hanuschhof, und/oder der Schließung von Spielstätten (wie dem Kasino des Burgtheaters). Derzeit wird über alle möglichen Maßnahmen nachgedacht. Ein Teil von ihnen gefährde (noch) nicht den Spielbetrieb, aber, so Springer: "Auch die Einschränkung des qualitativen Angebots ist nicht mehr tabu." Springer lässt als Beispiel für "Grauslichkeiten" das Wort "Schließtage" fallen. Man werde Kulturminister Josef Ostermayer einen Katalog mit Optionen übermitteln - und der Eigentümer habe dann zu entscheiden. Deadline seien die nächsten Aufsichtsratsitzungen im Juni, in denen die Budgets für die nächste Saison beschlossen werden sollen.

Warum das Staatsopernmuseum im Hanuschhof - entgegen einer Empfehlung - weitergeführt werde, begründete Springer dahingehend, dass die Schließung zu einer Abschreibung von 655.000 Euro führe. Der Betrieb hingegen koste nur 210.000 Euro.

Aufgrund der Turbulenzen im Burgtheater - wie berichtet wurden Direktor Matthias Hartmann und seine Stellvertreterin Silvia Stantejsky gefeuert - fand Springers Pressekonferenz mit zweimonatiger Verspätung statt. Der desaströse Jahresabschluss der Burg, erst kürzlich vom Aufsichtsrat angenommen, mit einem Bilanzverlust von 19,64 Millionen Euro für die Saison 2012/13 sorgte konzernweit für tiefrote Zahlen: Kulminiert ergibt sich ein Bilanzverlust von 22,26 Millionen Euro.

Der Jahresfehlbetrag der Volksoper beträgt 2,2 Millionen Euro; aufgrund aufgelöster Kapitalrücklagen konnte eine schwarze Null erzielt werden. Die Staatsoper weist einen Bilanzgewinn von 1,45 Millionen Euro aus, die Servicegesellschaft hat noch 3,98 Millionen Euro an Rücklagen.

"Dramatisch gesunken", so Springer, sind die Sponsoringeinnahmen: Sie fielen von 5,6 Millionen Euro in der Saison 2008/09 kontinuierlich auf nun 3,3 Millionen - und machen nur mehr 1,7 Prozent der Einnahmen aus. Gröbere Verschiebungen gab es auch beim Eigendeckungsgrad: Wegen eines lukrativen Japangastspiels stieg er im Fall der Staatsoper von 42 auf 47 Prozent an - und sank im Falle der Volksoper, weil man nicht noch einmal nach Japan reiste, von 25 auf 21 Prozent. Die Eigenerlöse des Burgtheaters machten gar nur 15 Prozent aus.

Im Durchschnitt lagen die Besucherzahlen. Die Burg erzielte mit 430.653 Besuchern eine Sitzplatzauslastung von 86,2 Prozent, die Volksoper kam mit 308.008 Besuchern auf 82,3 Prozent. Einen Allzeitrekord stellte die Staatsoper mit einer Auslastung von 99,2 Prozent auf (599.724 Besucher).

Die Saison 2013/14 läuft insgesamt besser als erwartet: Mit den Karteneinnahmen liegt man derzeit 3,4 Millionen Euro über Plan. Springer glaubt daher, dass man ausgeglichen bilanzieren werde. Aber dennoch: Die Bundestheater befinden sich, so der Holdingchef, "in der schwierigsten wirtschaftlichen, insbesondere finanziellen Situation ihres Bestehens." Er würde die Geschäfte gerne geordnet übergeben, das werde ihm aber wohl nicht gelingen: Mit Jahresende geht Springer, der im August 68 Jahre alt wird, in Pension. (Thomas Trenkler, DER STANDARD, 9.5.2014)

  • Warnt vor dem Kranksparen: Georg Springer.
    foto: apa/hans klaus techt

    Warnt vor dem Kranksparen: Georg Springer.

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