Schlaganfall: Patienten trainieren zu Hause ihr Sehvermögen

9. Mai 2014, 11:10
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Nach einem Schlaganfall kommt es bei vielen Patienten zu Sehstörungen - ein neues Computertraining kann gegensteuern

Zu den häufigsten Folgen eines Schlaganfalls zählen Sehstörungen, dabei können Betroffene zum Beispiel ihre Umgebung nur verschwommen, in Doppelbildern oder nur auf einem Auge wahrnehmen. Sie haben Probleme beim Lesen oder übersehen beim Gehen Hindernisse. "Diese Einschränkungen mindern die Selbständigkeit der Patienten im Alltag", sagt Georg Kerkhoff, Neuropsychologe an der Saar-Uni. Zwar bieten Krankenhäuser wirksame Behandlungen an. Im Anschluss daran ist es aber oft schwer, eine geeignete Therapie zu finden. 

Helfen könnten hier Computerprogramme, mit dem Betroffene ihr Sehvermögen daheim schulen und dabei von Therapeuten betreut werden. Die Forscher haben zwei vergleichbare Patienten-Gruppen mit Gesichtsfeldausfällen (28 und 24 Teilnehmer) einem Training von insgesamt 35 Stunden am heimischen Rechner unterzogen.

Wirksames Training

Die eine Gruppe erhielt ein Training, das gezielt das Lesen und die visuelle Suche im Raum verbessern soll. Die Patienten mussten dazu am Bildschirm etwa in einer Reihe von Wörtern ein "Nicht-Wort" heraussuchen oder in einer blauen Punktewolke einen roten Punkt aufspüren. Dabei schulen die Patienten willentlich kontrollierbare Blickbewegungen. "Diese Therapieform ist gut in Studien untersucht worden und wirksam, wenn sie unter kontinuierlicher, therapeutischer Beobachtung durchgeführt wird", sagt Kerkhoff. 

Die Kontrollgruppe erhielt parallel dazu ein unspezifisches Aufmerksamkeitstraining. Nach der Therapie verbesserte sich das Sehvermögen hier nur gering. Zudem brachen die Teilnehmer die Therapie häufiger vorzeitig ab. Die Probanden aus der ersten Gruppe verbuchten hingegen deutliche Erfolge. Außerdem untersuchten die Forscher mit Fragebögen, wie beide Gruppen mit bestimmten Alltagsleistungen wie dem Überqueren einer Straße klarkamen. Die erste Gruppe war auch hier generell zufriedener, so Kerkhoff. 

Geringer Aufwand

Während der Studie haben Therapeuten alle Patienten per Telefon und mit Hausbesuchen unterstützt. Dabei ging es meist darum, kleine technische Probleme zu beheben und die Teilnehmer zu motivieren. Den erforderlichen Personalaufwand haben die Forscher hierbei ebenfalls erfasst: Im Schnitt betrug er bei jeder erfolgreichen Therapie 137 Minuten. Das macht in fünf Wochen einen Betreuungsaufwand von zwei Stunden.

"Dieser vergleichsweise geringe Aufwand und die objektiven Verbesserungen in der ersten Gruppe zeigen, dass eine neurovisuelle Therapie zu Hause die ambulante oder stationäre Therapie wirksam unterstützen kann", sagt Kerkhoff. Dies sei für Patienten hilfreich, die zunächst eine Therapie in einer Klinik oder einer Ambulanz erhalten haben, anschließend aber noch weiter therapiert werden sollten.

Zudem eignet sich die Therapie für Patienten aus ländlichen Regionen, in denen keine spezifische Therapie verfügbar ist, so der Experte. "Allerdings nur dann, wenn sie von Klinischen Neuropsychologen begleitet wird und zuvor eine entsprechende Diagnostik durchgeführt wurde."

  • Die Patientin muss in einer grünen Punktewolke einen roten Punkt aufspüren. Diese Übung kann auch am Computer absolviert werden.
    foto: oliver dietze

    Die Patientin muss in einer grünen Punktewolke einen roten Punkt aufspüren. Diese Übung kann auch am Computer absolviert werden.

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