Psychotherapie für Flüchtlinge: Caritas beklagt Unterdotierung

8. Mai 2014, 16:44
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Flüchtlinge aus Kriegsgebieten sind oftmals traumatisiert. Dennoch sind die Therapieangebote stark limitiert, da sie teuer sind und als politisch brisant gelten

Sintem ist eine Serviceeinrichtung der Caritas Wien und bietet kostenlose Therapien für traumatisierte Flüchtlinge. In den letzten zehn Jahren wurden hier fast 1000 Klienten behandelt, wobei die allermeisten aus bekannten Krisenregionen wie Russland, bzw. Tschetschenienund Afghanistan stammten. Unterstützt werden die Psychotherapeuten dabei von Dolmetschern, die im Bedarfsfall herangezogen werden.

Traumata verhindern Neuanfang

Anlässlich des 10-jährigen Bestandsjubiläums lud Sintem zu einer öffentlichen Diskussion ein. Debattieret wurde unter anderem über die  prekäre Situation der Dolmetscher, das limitierte Angebot der Anlaufstelle eingedenk der hohen Nachfrage und über die erschwerte Integration von traumatisierten Menschen in Österreich. Dolmetscher sind unerlässlich, wenn man mit neu angekommenen Flüchtlingen in ihrer Muttersprache interagieren will, dennoch sind die Dolmetscher prekär beschäftigt, da die staatlichen Zuschüsse für das Angebot der Caritas nicht ausreichen würden.

Die Anlaufstelle Sintem hat eine lange Warteliste, kann allerdings ihr Angebot nicht dementsprechend ausbauen, da einfach die Gelder dafür fehlen würden. Aufhorchen ließ Miriam Lehner, die Teilbereichsleiterin für Asyl und Integration der Caritas Wien, mit der Aussage, Traumata würden einen Neuanfang, ja sogar einfachste Dinge wie einen Deutschkurs quasi unmöglich machen.

Öffentlichkeit erreichen

Johannes Gregoritsch vom Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass "Modellflüchtlinge", sprich therapierte Flüchtlinge, die wenige Jahre später erfolgreich im Leben stehen, wichtig wären. Nicht nur um die öffentliche Meinung von der Notwendigkeit zu überzeugen, dass Flüchtlingstherapie wichtig ist, sondern eben auch öffentliche Gelder bewilligt zu bekommen, wenn Entscheidungsträger sehen würden, dass ein solches Programm nicht nur nötig, sondern eben auch erfolgreich ist. (Rusen Timur Aksak, 8.5.2014, daStandard.at)

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