Listenzweite: Von Ameisenhaufen, Idealismus und galoppierenden Pferden

13. Mai 2014, 08:36
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Die Kandidaten auf Listenplatz zwei über den Wahlkampf, tote Flüchtlinge an der Grenze und die EU als Tier

Meist stehen sie im Schatten der Spitzenkandidaten und Spitzenkandidatinnen: Jene Politiker, die auf Listenplatz zwei antreten. Unter ihnen ist etwa ein 25-Jähriger mit drei abgeschlossenen Studien, ein Generalkonsul und eine Kulturarbeiterin. In einem Fragebogen von derStandard.at erklären die Kandidaten für die EU-Wahl am 25. Mai ihre Beweggründe und Ziele.

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Evelyn Regner, SPÖ: "Entscheidungen nicht Neoliberal-Konservativen überlassen"

Foto: SPÖ/Zinner

derStandard.at: Warum wollen Sie ins EU-Parlament?

Regner: Weil ich endlich ein gerechtes Europa möchte! Ich will weiter an der Finanzmarktregulierung arbeiten und als Arbeitnehmervertreterin den Gesundheits- und Arbeitnehmerschutz für Beschäftige verbessern.

derStandard.at: Wie erklären Sie jemandem, der sich nicht für die EU interessiert, warum er trotzdem zur EU-Wahl gehen soll?

Regner: Auch wenn man sich nicht für die EU interessiert, haben 60 bis 80 Prozent aller Gesetze in Österreich ihren Ursprung direkt oder indirekt in Brüssel/Straßburg - diese Entscheidungen dürfen nicht den derzeit noch neoliberal-konservativen Mehrheiten überlassen werden. Wer nicht zur Wahl geht, lässt andere über sich entscheiden.

derStandard.at: Welche drei Eigenschaften zeichnen einen guten EU-Abgeordneten beziehungsweise eine gute Abgeordnete aus?

Regner: Politische Überzeugung, Neugier und Hartnäckigkeit.

derStandard.at: Was hat Ihnen am bisherigen EU-Wahlkampf gut gefallen, was gar nicht?

Regner: Gespräche mit Gewerkschaftern, Betriebsräten und Schülern sowie Betriebsbesuche sind sehr gut, und ich bekomme stets positive Rückmeldungen. Gar nicht gut: falsche Behauptungen von rechten Parteien.

derStandard.at: An den EU-Grenzen sterben tausende Menschen. Wie kann das verhindert werden?

Regner: Indem wir ein europaweites Asylsystem mit einer fairen Aufgabenverteilung innerhalb der Mitgliedstaaten schaffen. Weiters ist es wichtig, dass wir Frontex besser ausstatten: Noch im April hat das EU-Parlament Frontex zur Hilfeleistung verpflichtet, ein direktes Zurückschicken von Flüchtlingen ist verboten.

derStandard.at: Vor den Toren der Union schwelt ein Konflikt zwischen der Ukraine und Russland. Wie sollte die EU damit umgehen?

Regner: Durch ein aktives und gemeinsames diplomatisches Auftreten der EU im Sinne einer Deeskalation, weil Krieg immer der falsche Weg ist.

derStandard.at: Wofür werden Sie sich im EU-Parlament einsetzen?

Regner: Für ArbeitnehmerInnenrechte, faire Praktika, Finanzmarktregulierung, insbesondere die Regulierung der Schattenbanken, mehr Mittel für Jugendgarantie, Investitionen für Wachstum und Beschäftigung, Geschlechtergerechtigkeit.

derStandard.at: Wenn die EU ein Tier wäre, welches wäre sie und warum?

Regner: Ein Pferd - es kann galoppieren und weite Sprünge machen, wenn es aber störrisch ist, dann geht nichts weiter.

Zur Person: Evelyn Regner (geb. 1966) ist seit 2009 Abgeordnete im EU-Parlament. Sie ist dort unter anderem stellvertretende Vorsitzende im Ausschuss für Recht. Regner studierte Rechtswissenschaften und war Leiterin des Büros des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB) in Brüssel.

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