Luxusuhr macht türkischem Ex-Minister Kummer

Blog8. Mai 2014, 14:00
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Der türkische Ex-Wirtschaftsminister Zafer Caglayan hat zunehmend Mühe zu beweisen, dass er sich seine Schweizer Luxusuhr nicht von einem zwielichtigen Geschäftsmann zahlen ließ

Zafer Caglayan ist ein Mann des rechten Glaubens und von exquisitem Geschmack, aber, so weist sich nun, von jener gutgläubigen Unvorsichtigkeit, die auch den Rechtschaffensten in dieser üblen Welt, in der wir leben, unweigerlich zu Fall bringt: "Grand Complications" ist ein Markenname, bei dem man aufhorchen muss. Eine solche Armbanduhr sollte man sich nicht anschaffen. Das kann nur schiefgehen.

"Ich habe diese Uhr in einer Zeitung gesehen, und sie hat mir sehr gefallen", sagte Zafer Caglayan diese Woche in einer Sitzung des türkischen Parlaments, die mit Rücksicht auf die Empfindlichkeit der Öffentlichkeit nicht im Fernsehen übertragen wurde. Dann hat der ehemalige Wirtschaftsminister die Firma angerufen, die die besagte Uhr aus der Serie Grand Complications vertreibt, und - das war halt ein recht großer Zufall - Resa Sarraf, der iranisch-aserisch-türkische Geschäftsmann mit dem florierenden Goldschmuggel-Großhandel, saß gerade mit im Zimmer und erbot sich, diese Uhr aus der Schweiz einfliegen zu lassen, weil er dort eh eine Filiale oder so etwas Ähnliches hat. Das kann passieren! Oder eigentlich: Das kann man schon erwarten unter Freunden!

Eine schöne Sache für 380.000 Dollar

Und so kam es also, dass die Patek Philippe 5101G aus der Serie Grand Complications am Handgelenk des Wirtschaftsministers Caglayan endete. Weißgold und Rhodium mit Handaufzug und zehn Tage Reserve, alles für knapp 380.000 Dollar, 29 Diamanten inklusive. Schon eine schöne Sache für den, der es mag.

Dann kam der 17. Dezember 2013, die Polizeirazzia, bei der Resa Sarraf eingepackt wurde und die drei Ministersöhne, darunter auch Kaan Caglayan, weil plötzlich alles irgendwie miteinander zusammenzuhängen schien und die Minister für Wirtschaft, Inneres und Städtebau ihren Rückritt einreichten. Der Europaminister fiel bei der anschliessenden Regierungsumbildung aus dem Kabinett. Mit großer Erleichterung aber muss zumindest die Regierungsfraktion der konservativ-islamischen AKP bei der parlamentarischen Aussprache am vergangenen Montag aus dem Mund des Ex-Wirtschaftsministers erfahren haben, dass all dies das Werk der "Neocons in den USA, der jüdischen Lobby und des Parallelstaats" war, also der Untergrundbewegung des Predigers Fethullah Gülen in Polizei und Justiz.

Der Großteil der Korruptionsermittlungen ist jetzt ohnehin eingestellt. All die neuen Staatsanwälte und Richter haben die Vorwürfe gegen Caglayan (angeblich 52 Millionen Dollar Bestechungsgeld eingesteckt), Muammer Güler (angeblich zehn Millionen), Egemen Bagis (angeblich 1,5 Millionen) und Erdogan Bayraktar (Bauaufträge arrangiert) mit neuen Augen betrachtet. Bleibt im Moment nur noch diese Uhr. Grand Complications. Sarraf habe sie hergeschafft, aber er, Caglayan, habe sie dann bezahlt, so erklärte der Ex-Minister im Parlament. Der Beweis: Sein Name stehe auf dem Garantiezettel.

Jetzt hat Patek Philippe in der Schweiz der schwer oppositionellen Tageszeitung "Aydinlik" aber auf Anfrage mitgeteilt, dass auf den Garantiezetteln der Uhrwerke des Unternehmens nie ein Name stehe. Und in Zeitungen machte man auch nicht Reklame für die 5101G. Da muss Caglayan noch einmal nacherklären: Schweizer Luxusuhrenhersteller, die amerikanischen Neocons von George W. Bush, die "jüdische Lobby", Gülen natürlich ... (Markus Bernath, derStandard.at, 8.5.2014)

  • Der ehemalige Wirtschaftsminister hat eine Schwäche für eine besondere Uhr.
    foto: ap photo/burhan ozbilici

    Der ehemalige Wirtschaftsminister hat eine Schwäche für eine besondere Uhr.

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