Slowenien: Einstellung von "Zurnal" ein "Schlag für Medienlandschaft"

8. Mai 2014, 13:48
posten

Rückzug von Styria aus Gratismedien-Markt mit Sorge aufgenommen - Kritik von Journalistenverband und Kulturministerium

Ljubljana/Wien - In Slowenien wird der Rückzug der Styria Media Group aus dem Gratismedien-Markt mit Sorge aufgenommen. Der slowenische Journalistenverband (DNS) und das Kulturministerium bezeichneten die Einstellung der Gratismedien aus der "Zurnal"-Gruppe als schweren Schlag für Medienstandort, Journalismus und Medienvielfalt in Slowenien.

Die Styria, zu der in Österreich die "Kleine Zeitung", "Die Presse" und das "WirtschaftsBlatt" gehören, gab am Mittwoch bekannt, ihre Gratiszeitungen "Zurnal" und "Zurnal 24" sowie die Internetplattform "zurnal24.si" einzustellen. Trotz guter Lese- und Zugriffszahlen sei das Erreichen der Profitabilität für diese Gratismedien angesichts des dauerhaft schwachen Werbemarkts nicht möglich gewesen, erklärte das Unternehmen.

Die Styria-Tochtergesellschaft Zurnal Media schrieb laut slowenischen Medienberichten seit Jahren rote Zahlen. Nach einem Bericht der slowenischen Nachrichtenagentur STA machte das Unternehmen im Vorjahr einen Nettoverlust von 1,6 Mio. Euro, im Jahr 2012 betrug dieser 2,5 Mio. Euro, das Jahr davor 4,2 Mio. Euro. Der Bilanzverlust belief sich demnach im Vorjahr auf 41 Mio. Euro.

"Die Einstellung jedes Mediums, das zu einer professionellen und glaubwürdigen Information der Öffentlichkeit und zur Medienvielfalt beiträgt, ist eine schlechte Nachricht für die Medienlandschaft und den Journalismus", hieß es aus dem Journalistenverband. DNS befürchtet, dass nun weitere Medien dem "Zurnal"-Beispiel folgen könnten. Dem slowenischen Medienmarkt könnten noch "schwierigere Zeiten" bevorstehen.

hinaus Kritik an der Art des Styria-Rückzugs

Die Journalistenvertretung übte darüber hinaus Kritik an der Art des Styria-Rückzugs. Die Mitarbeiter seien ohne vorherige Warnungen und Diskussionen über mögliche Alternativen vor vollendete Tatsachen gestellt und erst informiert worden, als die Einstellung der Medientitel bereits beschlossene Sache war. Die schwierige Finanzlage von "Zurnal" sei zwar bekannt gewesen, dennoch hätte man sich behutsamere Vorgangsweise gewünscht, so DNS. Medienberichten zufolge kam die Entscheidung für die "Zurnal"-Mitarbeiter überraschend.

Für Medienexperten war die Einstellung hingegen keine Überraschung. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten zeigten sich Gratiszeitungen als die schwächsten und anfälligsten Medienprodukte, meinte etwa der Medienexperte Marko Milosavljevic von der Laibacher Fakultät für Sozialwissenschaften in der Tageszeitung "Delo" (Donnerstagsausgabe). Nur wenige Gratismedien seien erfolgreich, so Milosavljevic.

Das slowenische Kulturministerium betonte unterdessen laut Nachrichtenagentur STA, dass die Styria-Entscheidung trotz der relativ hohen Anzahl von Medientiteln in Slowenien einen Schlag für die Medienvielfalt bedeute. Das Ministerium zeigte sich demnach besorgt über das Schicksal von mehr als 50 Mitarbeitern, die praktisch über Nacht und ohne Vorwarnung ohne Arbeit dastehen. Die Styria hatte zuvor einen Sozialplan für betroffene Mitarbeiter angekündigt.

Mit der Gratis-Wochenzeitung "Zurnal" war das Medienunternehmen seit 2003 auf dem slowenischen Markt präsent, die Gratis-Tageszeitung "Zurnal24" und das Webportal gab es seit 2007. (APA, 8.5.2014)

Nachlese
Styria stellt Gratismedien in Slowenien ein - Aus für "Zurnal", "Zurnal24" und zurnal24.si - Sozialplan für 53 Mitarbeiter

Share if you care.