12.000 beim "Fest der Freude" auf dem Wiener Heldenplatz

Ansichtssache mit Video8. Mai 2014, 22:16
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Vor 69 Jahren endete der Zweite Weltkrieg. Österreich gedachte am Donnerstag der Befreiung vom Nationalsozialismus mit mehreren Feiern. Höhepunkt der Feierlichkeiten war ein Staatsakt im Bundeskanzleramt. Am Abend fand zum zweiten Mal am Heldenplatz ein "Fest der Freude" statt. Den ganzen Tag über hielt das Bundesheer Mahnwache vor der Krypta am Heldenplatz. Auf dem neuen Campus der Wirtschaftsuniversität Wien wurde am Vormittag ein NS-Mahnmal enthüllt, am Nachmittag gab es zwei Kundgebungen und am Abend ein Konzert der Wiener Symphoniker. (red, derStandard.at, 9.5.2014)

 

Für die Befürworter des "Festes der Freude" soll der 8. Mai zum Staatsfeiertag gemacht werden. Die Grünen hielten dafür eine Kundgebung am Ballhausplatz ab, die Offensive gegen Rechts demonstrierte lautstark am Ring.

foto: apa/herbert neubauer

Das Konzert der Wiener Symphoniker zum "Fest der Freude" am Wiener Heldenplatz.

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Zeitzeuge Aba Lewitt und Nationalratspräsidentin Barbara Prammer beim "Fest der Freude" auf dem Heldenplatz

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Laut Veranstanlerangaben kamen etwa 12.000 Menschen auf den Wiener Heldenplatz

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Bundeskanzler Werner Faymann hielt eine Ansprache. "Ich bin sehr stolz, dass der Heldenplatz geprägt ist von Antifaschisten und Demokraten, Das ist das Bild, das Österreich verdient hat."

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Der jüdische Künstler Arik Brauer beim Festakt im Kanzleramt zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Die EU sei die richtige Reaktion auf das Unrechtsregime der Nationasozialisten gewesen, sagte er bei seiner Rede. Freilich müsse man die EU kritisieren und verbessern - aber Diskussionen über Regelungen für Gurken seien eigentlich Peanuts. Denn tatsächlich sei die EU ein "Ereignis von einmaliger Größe". Die Europäer seien "über ihren Schatten gesprungen" und hätten sich mit ihren unterschiedlichen Sprachen und Kulturen freiwillig zusammengefunden.

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Auch Bundeskanzler Werner Faymann sagte, dass die Bildung der EU bei allen "Mühen der Ebene" die richtige Entscheidung gewesen sei, um "in diesem Europa nie wieder zuzulassen, dass Kriege geführt werden, Gewalt den Alltag beherrscht, ein Holocaust kommt und Vernichtungslager aufgebaut werden". "Besonderen Dank" sagte Faymann den Österreichern, die im Widerstand gegen das Nazi-Regime waren. Der 8. Mai sei nicht nur der Tag des "Nie Vergessens", sondern auch der "Tag des Mutes zum aufrechten Gang".

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An Europa könne man viele kleine Dinge kritisieren, aber "die großen Dinge haben wir richtig gemacht" mit dem Friedensprojekt EU, stellte auch Spindelegger fest. Heute habe Europa die Verantwortung, "nicht wegzuschauen, wo andere in Not sind" - und beizutragen, dass es nicht zu Eskalation und Krieg, sondern zu Frieden und Entwicklungsmöglichkeiten kommt.

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Verteidigungsminister Gerald Klug während der Mahnwache des Bundesheers in der Krypta am Heldenplatz.

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"Solange ich die politische Verantwortung trage, wird es die Mahnwache auch in Zukunft geben", sagte der Minister.

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Am Campus der Wirtschaftsuniversität Wien erinnert ab sofort ein Mahnmal an Studenten und Mitarbeiter, die in der NS-Zeit von der früheren Hochschule für Welthandel (HWL) vertrieben wurden. Am Donnerstag wurde die Skulptur, bei der die Namen von fast 120 Vertriebenen zu einer Weltkugel verbunden sind, feierlich enthüllt.

Die Vertreibung nach dem "Anschluss" Österreichs an Nazi-Deutschland hatte damals massive Auswirkungen auf die HWL: Jüdische Studenten wurden von Studien und Prüfungen ausgeschlossen, Dozenten und Verwaltungsangestellte entlassen und akademische Grade aberkannt. 150 der damals 750 Studenten sowie ein Fünftel der damals rund 50 Mitarbeiter waren betroffen, berichtete der Leiter des Instituts für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der WU, Peter Berger. Neben 80 Personen, die laut den Nürnberger Rassegesetzen als Juden eingestuft wurden, finden sich auch die Namen politisch Verfolgter auf der Skulptur. Nur eine einzige Person sei nach 1945 nach Österreich zurückgekommen, so Berger.

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Schon vor dem "Anschluss" seien jüdische Studenten mit Billigung oder stillschweigender Duldung von Rektoren und Professoren diskriminiert, schikaniert und sogar körperlich misshandelt worden. Die Folge laut Berger, der seit zwei Jahren mit Johannes Koll die Geschichte der HWL vor und in der NS-Zeit erforscht: Der Anteil an jüdischen Hörern, der etwa 1920/21 noch bei 50 Prozent lag, ging bis 1938 deutlich zurück. Im Bild: Der Künstler Alexander Felch. Die WU hat außerdem ein Online-Gedenkbuch eingerichtet.

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