Kostspielige US-Offensive lastet auf Deutscher Telekom

8. Mai 2014, 11:43
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Bereinigtes Ebitda sank im ersten Quartal um 4 Prozent auf 4,1 Mrd. Euro - Grund sind hohe Investition in US-Tochter

Hohe Investitionen in die einstige Krisentochter T-Mobile US haben der Deutschen Telekom zu Jahresanfang das Ergebnis verhagelt. Konzernchef Tim Höttges verteidigte die Maßnahmen, mit milliardenschweren Ausgaben in den Netzausbau und einer Marketing-Offensive die US-Tochter nach Jahren des Niedergangs wieder auf Wachstumskurs zu bringen.

"Es war die goldrichtige Entscheidung, mutig in diesen Markt zu investieren", sagte Höttges am Donnerstag. Es ist der erste Quartalsabschluss, den der einstige Finanzchef verantwortet - der 51-jährige hatte die Führung des 230.000 Mitarbeiter starken Konzerns zum Jahreswechsel von Rene Obermann übernommen. In den ersten drei Monaten des Jahres schrumpfte das Betriebsergebnis (bereinigtes Ebitda) um 4 Prozent auf 4,1 Mrd. Euro. Anleger zeigten der Telekom wegen der hohen Ausgaben in Amerika die kalte Schulter: Die T-Aktie verlor im Dax 1,4 Prozent.

Kundenanstieg bei T-Mobile US

T-Mobile US - viertgrößter Mobilfunkanbieter in Amerika - lockte im ersten Quartal 1,3 Millionen neue Vertragskunden - mehr als die wesentlich größeren Konkurrenten AT&T und Verizon zusammen. Das Comeback spiegelt sich auch an der Börse wieder. "Der Wert unseres Anteils an T-Mobile US hat sich innerhalb eines Jahres auf knapp 17 Mrd. Dollar verdoppelt", sagte Höttges. Die Bonner halten zwei Drittel der Aktien der in New York börsennotierten Tochter.

Der Erfolg ruft Interessenten auf den Plan. Der drittgrößte US-Mobilfunkanbieter Sprint treibe die Pläne zur Übernahme von T-Mobile US voran und habe die Finanzierung des auf 50 Mrd. Dollar (35,9 Mrd. Euro) geschätzten Vorhabens mit einer Handvoll Banken abgestimmt, sagte eine mit der Situation vertraute Person vorige Woche Reuters. Einem Medienbericht zufolge plant Sprint im Juni oder Juli ein Angebot. Allerdings haben die US-Kartellbehörden bereits große Bedenken. Ihre Macht haben die Wettbewerbshüter 2011 unter Beweise gestellt, als sie den Verkauf von der amerikanischen Telekom-Tochter an AT&T torpedierten.

Versäumnisse und Aufholjagd

Angefangen hat die US-Saga für die Rheinländer kurz nach der Jahrtausendwende. Der damalige Telekom-Chef Ron Sommer nutzte die durch die Börseneuphorie gut gefüllten Kassen und machte für den T-Mobile-Vorgänger Voicestream 40 Mrd. Euro locker. Wegen des anhaltenden Wachstums der Firma vernachlässigten die Bonner in den folgenden Jahren die Investitionen, etwa ins Netz, was sich ab Ende des Jahrzehnts rächte: Zahlreiche Kunden kehrten der T-Mobile US den Rücken.

Unter dem Strich fuhr die Telekom trotz der hohen Ausgaben in den USA wegen des Verkaufs der Internet-Anzeigentochter Scout 24 deutlich mehr Gewinn ein: Der Konzernüberschuss verdreifachte sich im Auftaktquartal auf 1,82 Mrd. Euro. Von Reuters befragte Analysten hatten mit 711 Mio. Euro Nettogewinn und einem Ebitda von 4,13 Mrd. Euro gerechnet.

Höttges bekräftigte die bisherige Geschäftsaussichten: In diesem Jahr werde wegen hoher Investitionen in den USA der Free Cash Flow auf 4,2 Mrd. Euro sinken - 400 Mio. Euro weniger als 2013. Das bereinigte Ebitda dürfe bei 17,6 Mrd. Euro stagnieren. (APA, 08.05.2014)

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