Respektierte Kämpferinnen in Liberia

25. August 2003, 18:16
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Gesundheitsminister: Frauen schließen sich Rebellen oft wegen sexuellem Missbrauch und Gewalterfahrungen im Bürgerkrieg an

Tubmanburg/Liberia - Black Diamond trägt ein knappes Top, Lippenstift und schwarze Jeans. Und sie ist mit einer Kalaschnikow bewaffnet: Die 22-Jährige führt eine liberianische Rebellengruppe an. Um fehlenden Respekt müssen sie und ihre Mitstreiterinnen sich nicht sorgen. "Frauen können genauso gut kämpfen wie Männer. Manche sogar besser", sagt Black Diamond selbstbewusst. "Sie sind so gut trainiert wie wir", bestätigt Ranger One, der eine männliche Truppe leitet. Er würde sich niemals privat mit einer Kämpferin einlassen - "das wäre lebensgefährlich".

Schon im Bürgerkrieg von 1989 bis 1996 kämpften Frauen, damals auf der Seite von Charles Taylor. Und als vor vier Jahren die großen Rebellenbewegungen Mitstreiter rekrutierten, waren Black Diamond und andere junge Frauen unter den ersten, die ihnen beitraten. Sie wollten Taylor entmachten, dessen Kämpfer vergewaltigten und plünderten - "Operation 'Bezahl dich selbst'" hieß das bei den Soldaten.

Black Diamonds Mutter wurde im Bürgerkrieg getötet, Verwandte flohen aus Monrovia in das benachbarte Guinea. Wie sie selbst unter Taylors Soldaten gelitten hat, will sie nicht erzählen. "Wenn ich das alles erkläre, muss ich weinen", sagt sie.

Lieber Kämpfen als erniedrigende Arbeit

Viele der weiblichen Rebellen seien nach sexuellem Missbrauch in den Krieg gezogen, erklärt der liberianische Gesundheitsminister Peter Coleman. Andere wurden zu erniedrigenden Arbeiten und Sex gezwungen. "Da ziehen es viele vor, zu kämpfen, trotz der Gefahr getötet zu werden", sagt der Minister. Einmal habe eine Kämpferin einen männlichen Kollegen erschossen, weil er eine Frau vergewaltigte. "Sie konnte das nicht ertragen. Jeder hatte danach Angst vor ihr."

Rebellengruppen schätzen ihre weiblichen Offiziere, weil sie disziplinierter sind als Männer. "Sie betrinken sich nicht und nehmen ihre Aufgabe sehr ernst", sagt Coleman. Und für Regierungsmilizen gehören Frauen zu den gefürchtetsten Gegnern. "Sie haben eine Kraft, die Männer nicht haben. Sie hören nicht auf, wenn andere aufhören", sagt ein Regierungssoldat. (APA/AP)

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