Sieben Todsünden, eine Wiederentdeckung plus ein Fest

7. Mai 2014, 19:24
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Schottenbergs letzte Volkstheatersaison 2014/15 mit vielen Klassikern; Róbert Alföldi inszeniert Julius Hay

Wien – Michael Schottenberg beendet seine Direktion am Volkstheater in der kommenden Spielzeit mit großen Ensemblestücken. Dies ist gedacht als Hommage an sein Stammensemble, dessen Zusammensetzung sich, wie Schottenberg bei der Spielplanpressekonferenz am Mittwoch mutmaßte, mit dem Einzug der designierten Direktorin Anna Badora ab 2015/16 vielfach ändern könnte.

Eröffnet wird die Saison am 14. September mit Aristophanes’ Komödie Die Vögel (Regie: Thomas Schulte-Michels), einhergehend mit einem Fest zum 125-jährigen Bestehen des Theaterhauses. Anlässlich dieses Jubiläums erscheint auch ein Prachtband mit dem Titel Was soll das Volk im Theater? (Brandstätter Verlag, im Handel ab 22. September 2014). Als Koproduktion mit den Vereinigten Bühnen Wien inszeniert Schottenberg dann das satirische Ballett Die sieben Todsünden von Kurt Weill und Bertolt Brecht mit Maria Bill u.a. (10. Oktober).

Der Schweizer Regisseur Elias Perrig, der im Vorjahr erstmals am Volkstheater arbeitete (Ratgeber für den intelligenten Homosexuellen...), nimmt sich ab 14. November seines Landsmanns Friedrich Dürrenmatt und dessen Irrenhauskomödie Die Physiker an. Witzig und klassisch bleibt es dann noch mit Georges Feydeaus Floh im Ohr (Regie: Stephan Müller, Premiere am 19. Dezember). Es folgt im Jänner das melodramatische Dialogstück Gift von Lot Vekemans (mit Andrea Eckert und Günter Franzmeier, Regie:_Schottenberg), das ein Ex-Ehepaar nach längerer Zeit am Grab des gemeinsamen Kindes wieder zusammenführt; das preisgekrönte Stück war in einer Inszenierung von Johan Simons im Vorjahr bei den Wiener Festwochen zu sehen.

Eine echte Wiederentdeckung serviert das Volkstheater mit dem ungarischen Dramatiker Julius Hay (1900–1975), dessen Volksstück Haben anno 1945 ebenda Uraufführung feierte (damals mit Dorothea Neff und Karl Skraup). Der ehemalige Intendant des Budapester Nationaltheaters, Róbert Alföldi, inszeniert das Stück, in dem ein rätselhaftes Männersterben ein Dorf lahmzulegen droht.

Dieser Plot fügt sich ganz gut in das für 2014/15 ausgegebene Spielzeitmotto „Täuschungen der Fantasie“. Auf ganz andere Weise passt das auch zur Abschiedsproduktion Schottenbergs: Mit Shakespeares Sommernachtstraum peilt der scheidende Direktor ein, wie er sagt, „Fest der Sinne“ an (24. April 2015).

Der 70. Geburtstag Peter Turrinis wird mit Rozznjogd im Schwarzen Salon gefeiert (12. Dezember) sowie mit Josef und Maria in den Wiener Bezirken. Ebenda gibt es Molières Amphitryon, die Bahnhofsrevue Es fährt ein Zug nach Irgendwo sowie die Komödie Der Witwenclub zu sehen. (afze, DER STANDARD, 8.5.2014)

  • Michael Schottenberg präsentiert seine letzte Spielzeit.
    foto: apa/helmut fohringer

    Michael Schottenberg präsentiert seine letzte Spielzeit.

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