Kleines Glücksspiel: Geld und Befindlichkeiten

Kommentar7. Mai 2014, 18:31
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Wie das Problem Spielsucht eingedämmt werden kann, ist höchstens zweitrangig

In Wahrheit geht es wie so oft ums Geld und um persönliche Befindlichkeiten. Anscheinend ist bei Wiens Bürgermeister Michael Häupl der Ärger darüber noch nicht verflogen, dass sich 2011 die Parteibasis gegen ihn aufgelehnt und ein Verbot des kleinen Glücksspiels ab 2015 durchgesetzt hat. Damit gehen dem Stadtchef künftig 55 Millionen Euro jährlich durch die Lappen. Häupl zündelte, tat am Dienstag via Medien seinen Missmut über die Basisentscheidung kund - und beeilte sich schnell zu erklären, dass das Verbot natürlich umgesetzt werde.

Wie das Problem Spielsucht eingedämmt werden kann, ist höchstens zweitrangig. Jeder dritte Spielsüchtige ist bei seinem Einstieg keine 18 Jahre alt. Online kann fast grenzenlos gezockt werden. Entsprechende Maßnahmen für den Jugend- und Spielerschutz sind sicher schwierig umzusetzen. Ideen oder Vorstöße in diese Richtung werden aber schmerzlich vermisst. Und ganz will es sich die Politik mit Spielkonzernen auch nicht verscherzen: Die Casinos Austria buttern via Lotterien 80 Millionen Euro in den heimischen Sport. Novomatic tritt als Gönner von Kultur- und auch Parteiveranstaltungen in Erscheinung.

Schließlich geht es ums Geld und um Befindlichkeiten: Nikolaus Kowall von der SPÖ-Gruppe Sektion 8, der 2011 die Palastrevolution mit dem Verbot des kleinen Glücksspiels angezettelt hatte, hat seither laut eigenen Angaben noch kein Vieraugengespräch mit Häupl geführt. (David Krutzler, DER STANDARD, 8.5.2014)

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