Chef-Suche bei Media-Saturn sorgt für neuen Eigner-Zwist

7. Mai 2014, 16:58
1 Posting

Kellerhals will "zügig" Dialog mit Metro zu neuem Media-Saturn-Chef - Metro: Sehen keine Notwendigkeit für Schnellschüsse

Der überraschende Abgang von Media-Saturn-Chef Horst Norberg sorgt für neuen Zündstoff unter den chronisch zerstrittenen Eignern der größten Elektrohandelskette Europas. Minderheitseigner Erich Kellerhals forderte Mehrheitseigner Metro am Mittwoch auf, zügig in Gespräche über einen Nachfolger einzutreten. Ein Metro-Sprecher begrüßte Kellerhals' Dialogbereitschaft - auch wenn diese "spät komme".

Zugleich betonte er, für eine "Schnellschuss-Lösung" bestehe aus der Sicht des Handelsriesen keine Notwendigkeit. Norberg hatte am Dienstag entnervt das Handtuch geworfen. Er zweifele, ob er noch den vollen Rückhalt im Gesellschafterkreis genieße, ließ er mitteilen. Metro hatte daraufhin Vorstandsmitglied Pieter Haas als stellvertretenden Vorsitzenden in die Media-Saturn-Geschäftsführung entsandt und betont, Haas werde dort "formal die Geschäfte leiten".

Zwist um Nachfolger

Kellerhals machte einem Sprecher seiner Beteiligungsgesellschaft Convergenta zufolge zudem seinerseits einen Vorschlag für einem Interims-Vorsitzenden bei Media-Saturn. Es handle sich um ein Mitglied der Media-Saturn-Geschäftsführung. Einen Namen wollte der Sprecher indes nicht nennen. "Der von der Convergenta ins Gespräch gebrachte, angebliche Kandidat hat nach unseren Erkenntnissen eine Nominierung für den Geschäftsführungsvorsitz abgelehnt", sagte ein Metro-Sprecher dazu. "Insofern sind wir über die öffentliche Ankündigung der Convergenta überrascht", fügte er hinzu.

Kellerhals und der Metro-Vorstand ringen seit Jahren um die Macht bei der Kette mit über 56.000 Mitarbeitern, die zuletzt knapp ein Drittel des Metro-Umsatzes erwirtschaftete. Umstritten war unter anderem die Expansionsstrategie von Media-Saturn und die Aufstellung des Online-Geschäfts. Media-Saturn-Mitbegründer Kellerhals hat trotz seiner Beteiligung von rund 22 Prozent umfassende Veto-Rechte. Metro möchte diese aushebeln. In der Chef-Frage müssen sich beide Seiten aber zusammenraufen - beide Seiten müssten einem neuen Media-Saturn-Vorsitzenden zustimmen.

Für Media-Saturn kommt der Streit zur Unzeit, die Kette leidet unter der Konkurrenz von Online-Händlern wie Amazon und dem Preiskampf in der Branche. Branchenexperten vermuten, dass Media-Saturn im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2013/14 Rückschläge bei Umsatz und Ergebnis hinnehmen musste. Metro will am Donnerstag Zahlen für das zweite Quartal vorlegen. (APA, 07.05.2014)

Share if you care.