Maria M. und die Finsterlinge

7. Mai 2014, 17:50
9 Postings

Für die Beglaubigung kirchengeschichtlicher Fragen sollte die feministische Theologie weniger Bibelkitsch bemühen

Der Platz, der den Frauen in der katholischen Kirche zugewiesen wird, ist für viele nicht befriedigend. Solange von allen Gläubigen Kirchensteuer eingehoben wird, bleibt es verwunderlich, warum die Ämter nur Männern vorbehalten sind. Die feministische Theologie zweifelt diese Vormachtstellung an und erforscht, wo die Bibelväter die Präsenz von Frauen von Beginn an zurückgedrängt haben.

Wie ein schlechter Krimi wirkte am Dienstagnacht dann auch die dazugehörige, verdienstvolle Dokumentation von kreuz & quer. "Jesus und die verschwunden Frauen" heißt der Film von Maria Blumencron, in dem die Tilgung der Frauen aus den kanonischen Schriften wissenschaftlich nachgezeichnet wurde. Die Bibel sei eine "Schrift der historischen Sieger", hieß es da, also von einem männlichen Blick geprägt. Evangelien von Apostelinnen wurden gezielt von der Überlieferung ausgeschlossen. Töne, die man selten hört. Und man wünscht sich nach Sichtung dieser Doku-Fiction gleich ein Streitgespräch zwischen feministischen Bibelhermeneutikern und dem aktuellen Papst herbei.

Gab es denn tatsächlich eifersüchtige Apostel, die der Maria Magdalena die "Verkündigung der Auferstehung" nicht gönnen wollten? Das Fernsehen setzt die Trotzköpfe jedenfalls ordentlich in Szene: Als langbärtige Finsterlinge sitzen sie in Kaftanen am Ufer eines Flusses und werfen dem Unschuldslamm Maria Magdalena giftige Blicke zu.

Für die Beglaubigung kirchengeschichtlicher Fragen sollte die feministische Theologie weniger Bibelkitsch bemühen. Obwohl - dieses Fass braucht noch sehr lange, um überzulaufen. (Margarete Affenzeller, DER STANDARD, 8.5.2014)

Share if you care.