Schüler- und Lehrerprotest gegen Englisch-Notenvorgaben

7. Mai 2014, 16:13
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"Genügend" erst ab 63 statt 60 Prozent der Punkte – Bifie: 60 Prozent waren nur "Richtwert", heuer dafür leichtere Aufgaben

Wien – Schüler- und Lehrervertreter haben am Mittwoch gegen den Notenschlüssel bei der am Dienstag abgehaltenen Englisch-Zentralmatura protestiert. So sei die Punktegrenze für eine positive Beurteilung statt wie bisher nicht bei 60, sondern bei 63 Prozent der Punkte gelegen. Im Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) betonte man, dass die 60 Prozent nur ein "Richtwert" gewesen seien. 

In Offenen Briefen kritisieren Lehrer von zwei Schulen die "sachlich nicht nachvollziehbare Verschärfung". Man habe die Schüler jahrelang nach den vom Bifie und Bildungsministerium vorgegebenen Beurteilungsraster benotet. Die Hinaufsetzung der Grenze für ein "Genügend" widerspreche nicht nur den sonst gültigen Rechtsnormen, wonach die Schüler vor Klausuren die Notenschlüssel erfahren müssen, sondern zeuge auch von einem "Mangel an pädagogischer Sensibilität und Wertschätzung für die betroffenen SchülerInnen und LehrerInnen", heißt es in einem Protestschreiben von Englisch-Lehrern einer Wiener AHS.

"Unfug" sofort korrigieren

Dieser "Unfug" sei sofort zu korrigieren, so die Lehrer. "Es muss einem Expertenteam doch möglich sein, Maturaaufgaben so zu gestalten, dass der 'Cut-Score' genau 0,6 ist und derartige Irritationen vermieden werden können." Die VP-nahe Schülerunion ärgert ebenfalls, dass die Änderung des Notenschlüssels nicht im Vorhinein kommuniziert wurde. Außerdem sei der Beurteilungsschlüssel der einzelnen Aufgaben nicht angegeben gewesen.

Bifie-Direktor Martin Netzer betonte dagegen in einer Aussendung, dass bei Schulungen sowie in Schreiben an Schulleitungen und Schulaufsicht immer von 60 Prozent als "Richtwert" gesprochen worden sei, der je nach Schwierigkeitsgrad der Aufgaben variieren könne. "Das bedeutet: Wenn eine Prüfung vergleichsweise schwierig ist, dann müssen etwas weniger Punkte erreicht werden im Vergleich zu Prüfungen, die tendenziell etwas leichter sind. Dieses Vorgehen sorgt für Fairness und Vergleichbarkeit." 

"Tendenziell etwas leichter"

Heuer seien aus dem Aufgabenpool Prüfungspakete gewählt worden, "die tendenziell etwas leichter sind": "Deshalb müssen etwa die Schüler/innen an AHS in Englisch 63 Prozent erreichen. Das ist korrekt und entspricht dem neuen Benotungsprinzip." Über diese neue Art der Benotung seien Schüler wie Lehrer informiert worden, die Bundesschülervertretung im Rahmen eines Treffens mit Ministeriumsvertretern im Dezember des Vorjahrs, Direktoren und Schulaufsicht im April per Mail.

"Der Cut Score trägt dem Umstand Rechnung, dass es nicht möglich ist, Texte für die Überprüfung der Lesekompetenz zu finden, die bei jedem Matura-Termin exakt gleich schwierig sind", begründete die Englisch-Didaktikerin Carol Spöttl (Uni Innsbruck). Dasselbe gelte auch für die Hörbeispiele. "Um die Matura fair und auf konstantem Anspruchsniveau zu halten, muss also ein Bewertungsmaßstab geschaffen werden, der sicherstellt, dass schwierigere Aufgaben weniger ins Gewicht fallen als leichtere Aufgaben." Weil diese Matura einige etwas leichtere Aufgabenstellungen beinhaltet habe, die Reifeprüfung insgesamt aber nicht leichter sein solle als die Matura im Folgejahr oder die Matura beim Nebentermin im Herbst, sei der Cut Score leicht angehoben worden. Umgekehrt werde dieser dann auch gesenkt, wenn einige etwas schwierigere Aufgaben gestellt würden. (APA, 7.5.2014)

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