Kunstmuseum Bern ist Alleinerbe der Sammlung Gurlitt

7. Mai 2014, 16:32
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Stiftungsrat und Direktion des Museums freudig überrascht, Vermächtnis bürde aber auch erhebliche Verantwortung auf

München/Bern – Der Kunsthändlersohn Cornelius Gurlitt, am Dienstag mit 81 Jahren gestorben, hat in seinem Testament keinen seiner entfernten Verwandten bedacht: Als "unbeschränkte und unbeschwerte Alleinerbin" setzte er die privatrechtliche Stiftung Kunstmuseum Bern ein.

Die Nachricht sei "wie ein Blitz aus heiterem Himmel" gekommen, so das Museum am Mittwoch in einer Pressemitteilung. Denn es hätten vorher nie Beziehungen zu Gurlitt bestanden. Stiftungsrat und Direktion des Museums seien dankbar und freudig überrascht. Das Vermächtnis bürde ihnen aber auch "eine erhebliche Verantwortung und eine Fülle schwierigster Fragen auf". Dabei gehe es um Fragen rechtlicher und ethischer Natur. Mit zahlreichen Werken von Paul Klee, Pablo Picasso, Ferdinand Hodler und Meret Oppenheim gilt das Museum als Institution von Weltruf.

In Gurlitts Wohnung in München-Schwabing waren im Februar 2012 insgesamt 1280 Bilder beschlagnahmt worden. Ein Teil der Kunstwerke steht in Verdacht, NS-Raubkunst zu sein. Cornelius Gurlitt starb vier Wochen nach einer Vereinbarung mit dem Land Bayern und der deutschen Bundesregierung. Darin hatte er zugesichert, seine Sammlung von Experten untersuchen zu lassen und allfällige Raubkunst zurückzugeben. Daraufhin wurde die Beschlagnahme aufgehoben.

Die Vereinbarung ist auch für Gurlitts Erben bindend, teilte das bayerische Justizministerium mit. "Gurlitt hat dafür Sorge getragen, dass die Erforschung der Herkunft der Bilder auf jeden Fall weitergehen kann", sagte Justizminister Winfried Bausback (CSU). "Damit kann nationalsozialistisches Unrecht aufgearbeitet werden, und Opfer des NS-Unrechtsregimes können ihre Ansprüche geltend machen." Laut der Vereinbarung soll die Herkunft der Gemälde bis Jahresende weitgehend erforscht sein. Gurlitt dürfte sein Testament während eines Krankenhausaufenthalts im Februar oder März gemacht haben. (trenk/APA, DER STANDARD, 8.5.2014)

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