Kaum junge Perspektiven für Europa

7. Mai 2014, 19:07
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Studierende schreiten bei der EU-Wahl öfter zur Urne als der Durchschnitt. Im Parlament finden sich aber kaum unter 30-Jährige

Wien - Die deutsche Partei "Die Partei" fordert für die anstehende Europawahl: "Bologna, Bachelor, Master - der ganze verschulte Quatsch wird abgeschafft. Studenten sollen wieder in Ruhe 15 Semester studieren." Das ist zwar reiner Jux, aber zumindest wird Unipolitik im Programm der Satirepartei erwähnt.

Hierzulande kommen junge Menschen in den EU-Wahlprogrammen vor allem in Bezug auf Jugendarbeitslosigkeit vor - Unis und Studierende werden beim Gros der Parteien ausgespart. Dennoch zeigt sich in einer Analyse des Forschungsinstituts Sora zur vergangenen EU-Wahl 2009, dass sich Studierende und Schüler überdurchschnittlich stark - mit 55 Prozent - an der Wahl beteiligten. Sie sind damit die Gruppe mit der höchsten Wahlbeteiligung - gefolgt von Arbeitern und Angestellten (je 51 Prozent). In der österreichischen Gesamtbevölkerung gingen hingegen insgesamt nur 46 Prozent wählen. Zum Vergleich: Die Beteiligung an den Nationalratswahlen liegt bei rund 75 Prozent.

Die relativ hohe Wahlbeteiligung unter jungen Leuten spiegelt sich aber nicht in der Zusammensetzung des Europaparlaments wider. Derzeit gibt es unter den 766 Abgeordneten lediglich vier unter 30-Jährige. Elisabeth Gehrke, Präsidentin der European Students' Union (ESU), kritisiert: "Das EU-Parlament sollte all seine Bürger repräsentieren. Daher sollten definitiv mehr junge Abgeordnete ins Parlament." Die Delegierten seien "eine aus der Ober- oder Mittelklasse stammende weiße und männliche Gruppe", sagt Gehrke - sie vermisst die Vielfalt und unterrepräsentierte Gruppen im EU-Parlament.

Auch die Aktionsgemeinschaft - größte Oppositionspartei der ÖH-Bundesvertretung - wünscht sich mehr Junge im EU-Parlament: "Menschen, die in einem befriedeten und vereinten Europa aufgewachsen sind und kulturelle, sprachliche und wirtschaftliche Unterschiede als Mehrwert verstehen, haben ganz andere Perspektiven und Zugänge zu den Aufgaben der EU als Politiker der Marke 50 plus." In Österreich entsprechen Parteien diesem Wunsch nur selten: Die Neos haben mit Stefan Windberger, Jahrgang 1989, den einzigen unter 30-Jährigen auf einem aussichtsreichen Listenplatz - er ist die Nummer zwei.

Besseres Bologna

"Auf europäischer Ebene wird viel beschlossen, was sich auf die nationale Bildung auswirkt", sagt Viktoria Spielmann (Gras) vom Vorsitzteam der ÖH. Für Studierende zeigt sich die Bedeutung des gemeinsamen europäischen Hochschulraums mitunter im Bologna-Prozess. Die Umstellung der Curricula auf das Bachelor- und Master-System, ECTS-Punkte als einheitlicher Messwert und auch das Mobilitätsprogramm Erasmus wurden 1999 beschlossen.

Eine zweite Bologna-Reform ist bislang aber nicht absehbar. Dabei sei "Studierendenmobilität sehr wichtig in der EU-Bildungspolitik", sagt Spielmann - gerade wenn es darum gehe, sich Lehrveranstaltungen anrechnen zu lassen. Das sei "immer noch ein großes Problem". Die Neos teilen diese Forderung nach "einheitlichen Standards".

Auch die SPÖ stürzt sich auf diesen Punkt: Der Versuch, durch Bologna europäische Mobilität und Zusammenarbeit zu stärken, sei "nicht gelungen" und habe zudem zu einer "Ökonomisierung der Bildung geführt". (Oona Kroisleitner, Selina Thaler, DER STANDARD, 8.5.2014)

  • Studierende gehen öfter als alle anderen Gruppen zur EU-Wahl, trotzdem finden sich kaum studentische Themen in den Programmen.
    foto: ap/ keplicz

    Studierende gehen öfter als alle anderen Gruppen zur EU-Wahl, trotzdem finden sich kaum studentische Themen in den Programmen.

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