Jugend: Optimistisch, gesamtgesellschaftlich kritisch

7. Mai 2014, 18:13
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Familienministerin freut sich über zuversichtliche Jugendliche und sieht Handlungsbedarf bei den Themen "Mobbing" und "Kinderwunsch"

Wien - "Keine passiven Couchpotatoes", aber auch keine "Unternehmergeister", dafür im Europavergleich verhältnismäßig oft "Mobbingopfer": Das sind drei von vielen möglichen Beschreibungen, die der am Mittwoch präsentierte "Jugendmonitor" für Familienministerin Sophie Karmasin nahe legt. Dass Österreichs Jugendliche durchaus engagiert und aktiv sind, macht die von der ÖVP nominierte Ressortverantwortliche vor allem an jenen 40 Prozent fest, die Freiwilligentätigkeiten in Organisationen oder Vereinen ausüben. 

Arbeitsauftrag

Manche der Angaben jener 14- bis 24-Jährigen, die in 20 Befragungswellen (mindestens je 800 Interviews) von 2010 bis 2013 befragt wurden, sieht Karmasin aber als Handlungsauftrag. Wenn sich etwa nur 20 Prozent der Befragten vorstellen können, in die Selbstständigkeit zu gehen, während drei Viertel lieber angestellt arbeiten, dann sei das etwas "woran wir noch arbeiten wollen". Etwa mit "Microförderungen", für die ab Herbst rund 100.000 Euro budgetiert werden. Jeder Jugendliche könne sich fortan bis zu 500 Euro für "kleine Projekte" in Schule oder Gemeinde abholen und bekommt laut Karmasin auch eine "kompetente Ansprechperson" für die Planung zur Seite gestellt.

Was das Thema Mobbing anlangt, haben österreichische Jugendliche leider überdurchschnittlich häufige Erfahrungen damit: Ganze 28 Prozent (EU-Schnitt: 19 Prozent) geben an, schon einmal on- oder offline gemobbt worden zu sein. Die Familienministerin erklärt sich das einerseits mit dem "hohen Zuspruch", den soziale Medien hierzulande erfahren würden. Andererseits wüssten oft die Eltern "relativ wenig Bescheid bei dem Thema".

Hohe Zuversicht für den eigenen Bereich

Als Kernaussage des Jugendmonitorings will Karmasin aber jene 81 Prozent der Jugendlichen hervorheben, die "sehr oder eher zuversichtlich" auf die eigene Zukunft blicken. Andererseits würden Bereiche wie das Pensionssystem, die Situation am Arbeitsmarkt oder die Entwicklung des Sozialsystems nicht so rosig gesehen. Ganze 65 Prozent gehen etwa davon aus, dass ihre staatliche Pension einmal nicht reichen wird. Rund 58 Prozent erwarten Arbeitskräfte-Engpässe in der Wirtschaft. Aber: "Die Zuversicht für sich selbst, für den eigenen Bereich, ist hoch", analysiert die Familienministerin, die in ihrem früheren Leben als Meinungsforscherin selbst für einen Teil des erhobenen Datenmaterials verantwortlich zeichnet.

Aus ihrem jetzigen Blickwinkel erfreulich: Familie ist für junge Menschen ein zentrales Thema - 67 Prozent halten es für "sehr wichtig". Den eigenen Kinderwunsch verspüren 46 Prozent der Befragten "auf jeden Fall". Und jene 40 Prozent, die sich darüber noch unsicher sind, will Karmasin "mit den nötigen Rahmenbedingungen beruhigen", dass Kinder kein Karriereknick sein müssten. (riss, derStandard.at, 07.05.2014)

  • Überdurchschnittlich oft gemobbt, aber zuversichtlich: Österreichs 14- bis 24-Jährige im aktuellen Jugendmonitor
    foto: standard/cremer

    Überdurchschnittlich oft gemobbt, aber zuversichtlich: Österreichs 14- bis 24-Jährige im aktuellen Jugendmonitor

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